Ein „Ja, aber“ zum neuen Konzertsaal

München - Die Anhänger eines neuen Münchner Konzertsaales könnten beruhigt sein. Quer durch alle Landtagsfraktionen, das wurde gestern im Kulturausschuss deutlich, gibt es Zustimmung. Beklagt wird allerdings eines: Wann endlich liegen konkrete Zahlen vor?

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Mariss Janons über Konzertsäle in München

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Den Mitgliedern des BR-Symphonieorchesters müssten die Ohren geklingelt haben. „Bayern braucht diesen Saal“, warb Sepp Dürr (Bündnis 90/ Grüne). „Und das einzige Argument, was mich wirklich überzeugt, ist: Es geht in erster Linie um dieses Orchester.“ Als „keine grundsätzliche Gegnerin“ präsentierte sich auch Isabell Zacharias (SPD), während sich Michael Piazolo (Freie Wähler) „als Freund eines solchen Saales“ gab.

Ein großes „Ja, aber“ beherrschte dennoch die Debatte im Kulturausschuss des Landtages. Wie viele Millionen Euro für den Saal bezahlt werden müssen, wer für die Folgekosten verantwortlich zeichnet, ob es eine Intendanzlösung gibt, wie sich die Stadt München verhält: Antworten auf all diese Fragen vermissten die Abgeordneten.

Vor allem der Bayerische Rundfunk, der Hauptnutzer dieses Projekts, wurde in die Pflicht genommen. Bislang war aus der Chefetage nur zu vernehmen, man wolle sich über eine Mietvorauszahlung finanziell beteiligen. Was Isabell Zacharias mit Blick auf das zweite Orchester des Senders zu einem Seitenhieb veranlasste: „Wie kann der BR jetzt argumentieren, dass er Reserven hat, und gleichzeitig wurden beim Münchner Rundfunkorchester Stellen gestrichen und das Gehalt um zehn Prozent gekürzt?“

Deutlich wurde in der Diskussion, dass man sich auf einen erheblichen Millionenbetrag von privater Seite verlässt. „Fünfzig Prozent plus x“ forderte gar Piazolo. Auch die Stadt München sollte sich beteiligen – „bei den hohen Gewerbesteuereinnahmen“, wie Thomas Goppel (CSU) einwarf. Mit Privatgeldern sei zu rechnen, mit kommunalen wohl eher nicht, machte freilich Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) deutlich. Schließlich müsse die Stadt noch über 70 Millionen Euro für die Leasing-Gebühren des Gasteig aufwenden. Eine zusätzliche finanzielle Beteiligung an einem neuen Konzertsaal sei da nicht zu erwarten – immerhin habe Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) erklärt, er wolle dem Saal im Genehmigungsprozess keine Steine in den Weg legen.

Heubisch hofft, dass der Haushaltsausschuss in seiner heutigen Sitzung eine Machbarkeitsstudie für einen neuen Saal beschließt (wir berichteten). Ein Betrag von 300 000 Euro wurde dafür im Kulturausschuss genannt. Grundsätzlich, das wurde gestern in der Sitzung dieses Gremiums spürbar, dürfte eine solche Studie auch kein größeres Problem darstellen. Viele Mitglieder des Kulturausschusses stießen sich indes daran, Geld für die Expertise auszugeben, ohne dass finanzielle Rahmenbedingungen für den Saal bekannt sind. Thomas Goppel versuchte dies mit einem Vergleich zu entkräften: „Die Größenordnung vorher festzulegen, bedeutet eine neue Form von Bazar, die selbst in Istanbul nicht erlaubt ist.“

Noch immer, auch das wurde im Kulturausschuss spürbar, haben Abgeordnete aus Gebieten fern der Landeshauptstadt erhebliche Probleme mit einem neuen Saal. Vor allem die drohenden Sanierungsarbeiten am Bayreuther Festspielhaus wurden als Beispiel genannt. „Es geht nicht darum, Geschenke zu verteilen, sondern das zu finanzieren, was notwendig ist“, sagte Walter Nadler (CSU). „Ich habe meine Kinder auch immer gleich behandelt.“

Naturgemäß wehrte sich Wolfgang Heubisch gegen den Vorwurf, die Landeshauptstadt zu bevorzugen. Der Kunstminister kündigte an, ein Kulturkonzept für ganz Bayern zu entwickeln. Beim neuen Konzertsaal gehe es insbesondere darum, „eine angemessene Antwort auf eine weltweit einzigartige Orchesterlandschaft“ zu finden. München laufe Gefahr, von Berlin abgekoppelt zu werden. Im Übrigen komme ein solcher Saal auch anderen bayerischen Ensembles zugute: „Die Bamberger Symphoniker hätten eine regelmäßige Spielmöglichkeit in der Landeshauptstadt.“ Über Baukosten zu reden, sei jetzt zu früh. Überhaupt habe ihn diese Diskussion im Kulturausschuss bestärkt, wie notwendig eine Machbarkeitsstudie sei.

Markus Thiel

Rubriklistenbild: © dpa

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