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Podiumsdiskussion mit (v.li.) Oberbürgermeister Christian Ude, Kunstminister Wolfgang Heubisch, Dirigent Mariss Jansons und BR-Intendant Ulrich Wilhelm.

Konzertsaal für München: Debatte ohne Zahlen

München - Zehn Jahre noch, dann öffnet der neue Münchner Konzertsaal seine Pforten. Derart optimistisch gibt sich Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP). Doch derzeit sind nur Mini-Schritte zu registrieren: Offen bleibt nach wie vor, wer wie viel für das Projekt zahlt.

Mögen auch die Saal-Fans noch so euphorisch von den Möglichkeiten eines neuen Kulturzentrums schwärmen: Finanziell dreht sich die Debatte im Kreis. Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks, bleibt vorsichtig bei der Sprachregelung seines Vorgängers Thomas Gruber: „Über zwanzig Millionen Euro“ könne sein Sender indirekt - über Mietvorauszahlungen, Kauf des Erstbelegungsrechts oder technische Gerätschaften - beisteuern. Von Seiten der Privatsponsoren um den Konzertsaal-Verein hört man immer wieder die (nicht belegte) Zahl von 30 Millionen Euro. Und Heubisch selbst will sich für den Freistaat, der den größten Batzen zu tragen hat, gar nicht erst festlegen - offenbar muss erst die CSU/ FDP-Koalition auf Linie gebracht werden.

Doch immerhin kristallisiert sich ein Zeitplan heraus, das wurde auf einer Podiumsdiskussion deutlich, die die „Süddeutsche Zeitung“ am Montag im Jüdischen Zentrum veranstaltet hat. Bis Sommer hofft die Saal-Arbeitsgruppe, die unter der Leitung Heubischs schon zweimal getagt hat, einen Standortvorschlag unterbreiten zu können. Und bis Ende des Jahres, so glaubt der Minister, könne er dann eine Willenserklärung des Bayerischen Kabinetts präsentieren.

Viel Neues brachte die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion nicht zutage. Einseitig besetzte Gesprächsrunden zum Konzertsaal, das hat in München Tradition: Im März 2009 bat die Akademie der Schönen Künste zu einer Anti-Marstall-Debatte, im Oktober 2009 lud der Konzertsaal-Verein zum Werbe-Abend ins Prinzregententheater. Und jetzt saß auf dem Podium im Jüdischen Zentrum eigentlich nur einer, der dem Projekt kritisch gegenübersteht: Oberbürgermeister Christian Ude (SPD), der der „SZ“ sarkastisch zu ihrem „beeindruckenden Pluralitätsanspruch“ gratulierte.

Ude machte deutlich, dass von der Stadt kein Euro für einen solchen Bau zu erwarten sei, schließlich müsse man noch über 70 Millionen Euro in den Gasteig stecken. Und auch wenn der OB nicht glaubt, dass es in absehbarer Zeit zum neuen Saal kommt: Die Stadt, so versicherte er, werde als Genehmigungsinstanz das Vorhaben „wohlwollend“ begleiten und keinen Sand ins Getriebe streuen.

Von den Saal-Befürwortern waren die bekannten Argumente zu hören. Mariss Jansons, Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, sagte, auch dadurch könne München kulturelle „Lokomotive“ für den Freistaat bleiben. Im Übrigen wundere er sich, warum man stets städtische von staatlicher Kultur trenne. Bariton Christian Gerhaher betonte, dass im Gasteig nicht nur das Publikum schlecht höre, sondern auch die Musiker auf dem Podium. Außerdem, das hätten neue Säle in Dortmund, Essen und Luzern gezeigt, sei eine gute Akustik tatsächlich „etwas Planbares“. Gerhaher empfahl den Apothekenhof der Residenz als Standort, dann könne ein „weltweit unvergleichliches Mekka der darstellenden Künste enststehen“. Unternehmensberater Roland Berger, von dem man sich eine Chefrolle als Sponsor-Sucher erwartet, gab sich ebenfalls optimistisch: Wenn der Bürger „ein Projekt zum Anfassen“ habe, dann würden auch Gelder fließen: „Pack ma’s an.“

Zumindest bis Sommer dürfte die Diskussion damit auf Eis liegen. Unter den möglichen Standorten Apothekenhof, Finanzgarten, LMU-Gelände an den Pinakotheken, Areal gegenüber dem Circus Krone und, das brachte Heubisch ins Spiel, Justizverwaltung an der Nymphenburger Straße hat sich noch kein Favorit herauskristallisiert. Erst dann sind auch genaue Kostensummen zu erwarten. Für die gescheiterte Marstall-Lösung hatte man seinerzeit 120 Millionen Euro veranschlagt - was über den Bauten in Dortmund (48 Millionen) und Essen (75 Millionen), aber deutlich unter der Hamburger Elbphilharmonie (mindestens 360 Millionen Euro) liegt.

Noch steht Udes Angebot einer „erweiterten“ gemeinsamen Gasteig-Nutzung: Münchner Philharmoniker und BR-Symphonieorchester teilen sich den Saal, für kleiner besetzte Werke wird der Herkulessaal einbezogen. Doch dazu dürfte es nicht kommen. Immerhin ließ sich sogar BR-Intendant Wilhelm zur sorgsam gedrechselten Formulierung hinreißen: Aus der Dauer einer Diskussion dürfte man nicht ableiten, dass ein Projekt nicht gelinge.

Die Stadt muss sich jedenfalls im Falle einer Saal-Konkurrenz ein neues Nutzungskonzept für den Gasteig überlegen. Dort verblieben die Münchner Philharmoniker, die sich die Termine mit Nutzern hauptsächlich aus der Pop- und Rock-Szene teilen dürften. Doch manchen Promi,wie Lorin Maazel im Interview mit unserer Zeitung, stört dies kaum, er kann dem Gasteig akustisch sogar einiges abgewinnen. Das mag eine ehrliche Einschätzung sein oder, wie einige glauben, eine späte Rache an seinem Ex-Orchester vom BR. Oder, was ein Kollege Maazels vermutete, der nicht genannt werden will: Der Maestro höre eben mit über 80 nicht mehr so gut.

Markus Thiel

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