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Neubau-Variante: Die Machbarkeitsstudie schlägt einen auf einem Sockel ruhenden Baukörper vor, in dem Konzertsaal und Zukunftsforum Platz hätten.

Zukunftsmusik?

Konzertsaal: „Die Chancen nicht verschlafen“

München - Der Durchbruch für einen Konzertsaal am Deutschen Museum war das nicht. Eine Machbarkeitsstudie hält das Projekt für möglich. Trotzdem sollen Münchner Alternativ-Standorte geprüft werden.

Schon vor einigen Wochen sind die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, die Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) in Auftrag gegeben hatte, durchgesickert. Gestern wurden sie offiziell bekannt – und sie überraschen nicht: Ja, ein neuer Konzertsaal auf der Museumsinsel ist „grundsätzlich“ möglich. Und ja: Das Raumprogramm für das „Zukunftsforum“ des Deutschen Museums lasse sich mit einem „attraktiven Konzertsaal“ verbinden. Zwei Alternativen schlägt dabei das Büro der Düsseldorfer HPP Architekten vor – eine Umbauung und Erweiterung des Altbestands oder einen kompletten Neubau. Letzterer, so heißt es in der Studie, weise „einen erheblichen Mehrwert“ fürs Museum auf „und die Möglichkeit einer städtebaulich attraktiven, offenen Gestaltung der Museumsinsel“.

In einem Spitzengespräch mit Vertretern des Museums und der Medien stellte gestern Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Studie vor – und betrieb gleichzeitig Seelenmassage bei denjenigen, die das Projekt ablehnen. Das Problem ist: Bleibt das Kuratorium als oberstes Entscheidungsgremium des Museums beim Nein, haben die Saal-Befürworter keine Chance.

Wie aus Teilnehmerkreisen berichtet wird, hat sich zwar der Ton der Ablehnung entschärft, die Argumentation ist aber unverändert: Saal und Belange des Deutschen Museums passten nicht zusammen. Die Marke Deutsches Museum, so wird zudem befürchtet, könne durch dieses Projekt sogar beschädigt werden. Außerdem wurde in der Runde auf architektonische Probleme hingewiesen. Gebaut werden müsste schließlich auf einer Isar-Insel, durch mögliche Zusatzeinrichtungen wie eine Tiefgarage würden die Kosten in die Höhe getrieben.

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Noch immer stehen sich innerhalb des Museums zwei Fronten gegenüber: Während Wolfgang Herrmann, Vorsitzender des Verwaltungsrats und Chef der Technischen Universität, mit einem Konzertsaal liebäugelt, überwiegt auf Seiten des Kuratoriums (das über den Verwaltungsrat bestimmt) die Ablehnung. In einem waren sich die Sitzungsteilnehmer gestern allerdings einig: München brauche einen neuen Saal, ob dieser nun am Deutschen Museum oder andernorts entsteht. Man dürfe die Risiken nicht übersehen, aber auch die Chancen nicht verschlafen, wird Ministerpräsident Seehofer zitiert.

Der Durchbruch in Sachen Museumsinsel lässt also auf sich warten. Noch einmal sollen nun Alternativ-Standorte wie Finanzgarten, das LMU-Gelände zwischen Theresien- und Barer Straße sowie ein Areal am Circus Krone untersucht werden. Das Düsseldorfer Architektenbüro will seine beiden Varianten daher nicht als endgültige Lösung verstanden wissen.

Zwei Vorschläge ergab die Machbarkeitsstudie. Falls das Kongresssaal-Gebäude erhalten bleiben soll, könnte es von einem transparenten Foyer umgeben werden. Auf der Ostseite wäre ein Restaurationsbetrieb mit Terrassen zur Isar denkbar. Um das „Forum der Zukunft“ des Museums unterzubringen, müsste dann der an das Gebäude angrenzende Posthof überbaut werden.

Die zweite Variante wäre ein Neubau. Dazu schlagen die Architekten einen Baukörper vor, der scheinbar über einem Sockel schwebt. Der Posthof könne geöffnet werden, Terrassen mit Freitreppen auf beiden Uferseiten wären die Folgen. Konzertsaal und Zukunftsforum teilen sich dann den Haupteingang an der Ludwigsbrücke.

Nach der gestrigen Spitzenrunde erscheint dies alles wie (noch) ferne Zukunftsmusik. Ein Dämpfer für die Befürworter der Museums-Lösung war das Gespräch, so wird berichtet. Und dennoch drückt die Politik aufs Tempo: Falls ein Saal-Projekt noch im Landeshaushalt 2014 eingebracht werden solle, müsse spätestens nach der Sommerpause eine Entscheidung fallen – also noch vor der Landtagswahl.

Markus Thiel

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