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Bald ein Musikzentrum mit weltweiter Ausstrahlung? Für 120 Millionen Euro, so glaubt der Marstall-Unterstützungsverein, könnte der Klenze-Bau zur Heimat für das BR-Symphonieorchester umgebaut werden.

Konzertsaal für München: Prüfen, werben, warten 

München - Ein imponierendes Lebenszeichen, aber im Ergebnis kaum neue Entwicklungen: Die Marstall-Befürworter haben sich im Prinzregententheater getroffen.

Was soll der Vorsitzende schon anderes sagen? „Das Projekt ist lebendiger als je zuvor“, frohlockte Kurt Faltlhauser. Nur scheint es, dass man zurzeit schon genau hinschauen muss, ob es sich noch bewegt. Immerhin: Der Unterstützerverein für einen Konzertsaal im Marstall hat auf imponierende Weise Laut gegeben. Volles Prinzregententheater bei der Info-Veranstaltung, ein ebenso gefüllter Gartensaal (wohin alles per Video übertragen wurde), überzeugende Reden und hochkarätige Gäste aus Funk und Staatsregierung plus Dirigent Mariss Jansons – das sollte doch, so dachte man sich, für einen Vitalitätsschub reichen.

Und einige Neuerungen gab es tatsächlich zu berichten. Die Staatsregierung hat, wie Faltlhauser referierte, „eine Reihe von Prüfungsaufträgen“ vergeben. Unter anderem soll herausgefunden werden, ob der Saal in den Marstall eingebaut werden oder besser in einem Parallelgebäude Platz finden soll. Zudem befasst man sich mit notwendigen Drittmitteln und der Frage, ob sich das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Münchner Philharmoniker nicht doch eine runderneuerte Philharmonie teilen können. Ende 2009, so glaubt Faltlhauser, würden die Prüfungen abgeschlossen. „Man arbeitet dran.“

Das bedeutet aber auch: Seit der emphatischen Äußerung von Ministerpräsident Horst Seehofer vom Januar („Ich möchte dieses Projekt“) hat sich kaum Entscheidendes getan. Immerhin hat nun der Bayerische Rundfunk erklärt, dass er sich mit weit mehr als den bislang offiziell zehn Millionen Euro an einem Konzertsaal Marstall beteiligen möchte. Faltlhauser sprach von zwanzig Millionen, intern kursiert sogar die Zahl 25 Millionen. Mit weiteren zwanzig Millionen Euro Spenden rechnet der Unterstützerverein, was bedeutet: Die verbleibende Summe für die geschätzten 120 Millionen Euro Baukosten muss vom Freistaat kommen. „Wenn das bei einem Haushaltsvolumen von 40 Milliarden Euro nicht drin ist, können wir sowieso zumachen“, sagte Faltlhauser, der es in seinem früheren Amt als Finanzminister allerdings auch nicht mit einem Koalitionspartner zu tun hatte.

Um seine Forderungen zu untermauern, hat der Marstall-Verein eine Bedarfsanalyse bei Roland Berger in Auftrag gegeben. Wenig überraschend ist daher, dass sie „die Schaffung eines neuen Konzertsaals im Marstall“ empfiehlt. Die Argumente allerdings lassen aufhorchen. Es gebe, so heißt es in der Studie, in München ein „ungenutztes Potenzial im Bereich klassische Konzerte“. Das Berger-Team nennt die hohe Zahl von 230 000 möglichen, zusätzlichen Besuchern. Was regelmäßige Konzertgänger insofern verwundern dürfte, da ausverkaufte Abende nicht nur wegen der augenblicklichen Krisensituation immer seltener sind. Unter anderem wird eine „bessere Vermarktung“ der Säle empfohlen und auf die Magnetwirkung einer akustisch hervorragenden Konzerthalle hingewiesen.

Das Problem der Marstall-Befürworter ist: In München wird noch immer Kultur-Mikado gespielt. Die Stadt denkt zwar an einen radikalen, bis zu 100 Millionen Euro teuren Umbau der ungeliebten Philharmonie, will den aber nur in Angriff nehmen, wenn aus dem Marstall nichts wird. Ministerpräsident Horst Seehofer und Oberbürgermeister Christian Ude haben schon darüber gesprochen. Nächste Woche trifft sich der GasteigAufsichtsrat, der danach mit Ergebnissen an die Öffentlichkeit gehen will.

In diesem Zusammenhang steht weiterhin die städtische Einladung ans BR-Symphonieorchester, den Gasteig mit einem gemeinsamen Erstbelegungsrecht zu nutzen. Doch was sich immer mehr herauskristallisiert: Organisatorisch ist das kaum zu lösen. Beide Orchester, dies stützt auch die Berger-Untersuchung, brauchen nicht nur Konzerttermine, sondern genügend Probenzeit. Überdies liebäugeln beide Klangkörper natürlich mit den attraktiven Konzerttagen Donnerstag bis Sonntag und haben auf unattraktive Wochen keine Lust: Wer will schon in den Ferien spielen?

Werner Mittelbach, Mitglied des Vorstands vom BR-Symphonieorchester, wies bei der Info-Veranstaltung darauf hin, dass man gerade deshalb vor einigen Jahren einen Gutteil der Konzerte wieder in den Herkulessaal verlegt habe. Außerdem haben schon die privaten Veranstalter Alarm geschlagen: Wohin, so beklagt sich zum Beispiel Andreas Schessl, soll er mit seinen Konzerten, wenn die Philharmonie ständig ausgebucht ist?

Von Seiten der Denkmalpflege haben die Marstall-Befürworter offenbar nicht viel zu befürchten. „Denkmalschutz darf nicht zur Erstarrung führen“, sagte Gert Goergens, Heimatpfleger der Stadt München. Und dass auf dem Grundstück daneben Baurecht ausschließlich für Wohnungen besteht, halten nicht nur die Saal-Fans für absurd. Hier müsse sich die Stadt noch bewegen. Die Marstall-Befürworter allerdings auch. Denn wer den neuen Saal inklusive Folgekosten betreibt und sich damit Zusatzkosten aufbürdet, ob Bayerischer Rundfunk, Freistaat oder eine gemeinsame Konzerthausgesellschaft mit den Privaten (an der übrigens Schessl schon Interesse bekundet hat), all das ist noch immer unbeantwortet. Genug Themen also für weitere Lebenszeichen.

von Markus Thiel

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