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Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).

Konzertsaal für München

Reiter: Umsiedlung der Stadtbibliothek möglich

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München - Sollte es zu einem großen Umbau des Münchner Gasteig kommen, in dem dann zwei Konzertsäle Platz finden, schließt Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) eine Umsiedlung der Stadtbibliothek nicht aus.

Eine Annäherung von Stadt und Freistaat in der Konzertsaal-Debatte – als Befreiungsschlag wird das seit kurzem an der Isar gefeiert. Doch wo die einen den breiten Silberstreif am Horizont sehen, gähnt für andere das schwarze Loch: Unter anderem schlagen die privaten Konzertveranstalter Alarm. Eine Sanierung der Philharmonie ohne Bau eines weiteren Saals, der vorübergehend auch als Ausweichspielstätte dient, dieses Szenario könnte existenzgefährdend werden. Andreas Schessl, Chef von Münchenmusik, rechnet mit dem Schlimmsten.

„Das wäre eine brandgefährliche, katastrophale Situation“, sagt Schessl, der pro Jahr die Philharmonie für rund 80 Konzerte mietet. „Ich müsste rund zwei Drittel meiner Mitarbeiter nach Hause schicken.“ Die Diskussion, ob man im Saal künftig die Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unterbringt, führt für Schessl in eine Sackgasse. „Eine mögliche Lösung mit nur einem Saal ist doch schon jahrelang breitgetreten worden. Zwei Gutachten belegen, dass dies nicht funktionieren kann.“

Vier Jahre ist das schon her, dass die Studien genau zu diesem Schluss kamen. Eine „volle Parallelbespielung beider Orchester in der Philharmonie ist unter den bestehenden Rahmenbedingungen nicht möglich“, heißt es zum Beispiel im Gutachten der Firma Metrum – das übrigens von der Gasteig GmbH in Auftrag gegeben wurde. Warum also neue Expertisen ausarbeiten lassen, wie es gerade Stadt und Freistaat tun?

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sieht die Sache entspannt: eben weil sich die Rahmenbedingungen geändert hätten. Offen spielt Reiter mit dem Gedanken, zwei Säle im Gasteig unterzubringen, wenn eine Studie dazu raten sollte. Die Stadt könne sich mit „mindestens 250 Millionen Euro“ beteiligen, der Freistaat hat bereits weitere 200 Millionen Euro signalisiert. Ebenso offen spricht Reiter von einem Domino-Effekt im großen Stil: Die Stadtbibliothek mit ihren 1,5 Millionen Medien und täglich 3000 Besuchern müsste dann ausziehen. „Sollte es zu einer Lösung mit zwei Sälen kommen, ist ein innenstadtnaher Standort notwendig.“ Und Reiter macht keinen Hehl daraus, wen er für die Suche in die Pflicht nehmen will: den Freistaat. „Wenn wir ihm schon entgegenkommen bei der Suche nach einem Konzertsaal, dann erwarte ich mir eine konstruktive Unterstützung bei der Standort-Suche für die Bibliothek.“ Reiter fordert, dass der Freistaat in der ganzen Debatte „deutlich aufs Gaspedal drückt“. Spätestens im Frühjahr 2015 solle klar sein, wohin die Reise geht.

Saal-Debatte: OB will sich nicht auf eine Variante festlegen

Auf eine Variante in der Saal-Debatte will sich der Oberbürgermeister jedoch nicht festlegen lassen. Damit gibt es drei Szenarien. Erstens: Die Philharmonie bleibt der einzige große Konzertsaal, kleiner besetzte Werke könnten im (ebenfalls sanierungsbedürftigen) Herkulessaal gespielt werden, geprobt werden könnte zusätzlich im Carl-Orff-Saal. Zweitens: Der Gasteig bietet Raum für zwei Säle. Drittens: Der Freistaat baut doch einen eigenen Saal, möglicherweise im Finanzgarten unweit des Odeonsplatzes.

Alternative Nummer drei wird nach wie vor – nicht nur – beim Bayerischen Rundfunk für die beste, ja einzig mögliche gehalten. Darüber will Mariss Jansons, Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, in der kommenden Woche mit Kunstminister Ludwig Spaenle (CSU) sprechen und danach mit Oberbürgermeister Dieter Reiter. Auch, weil Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) weiter im Wort stehe, wie die Verfechter dieser Lösung betonen. Als die Debatte vor fünf Jahren hochkochte, hatte Seehofer erklärt: „Ich möchte dieses Projekt. Wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, um es möglich zu machen.“

Was viele Beteiligten wundert, ist, wie sorglos mit dem Münchner Musikmarkt umgegangen wird. Nicht nur, dass die Veranstalter um ihre Zukunft fürchten: Auch die Besuchernachfrage könnte einbrechen in einem Interimszeitraum mit Provisiorien. „Treue Konzertbesucher gehen in dieser Phase unweigerlich verloren, sie sind kaum wiederzugewinnen“, sagt Andreas Schessl. Und Nikolaus Pont, Manager der BR-Symphoniker, findet mit Blick auf das Münchner Weltklasse-Musikleben: „Das ist der direkte Weg ins Mittelmaß.“

Offenbar gibt es im Bayerischen Kunstministerium bereits erste „Blaupausen“ für das Modell mit dem doppelten Konzertsaal im Gasteig. Amtsinhaber Ludwig Spaenle (CSU) bestätigte, dass man in diese Richtung denke, zeigte sich aber zugleich skeptisch, ob dies überhaupt möglich sei. Hinter vorgehaltener Hand wird berichtet, dass man im Ministerium eher überrascht sei von Seehofers Vorstoß.

Dennoch: Dass Staat und Stadt miteinander über einen Saal reden, wird allgemein begrüßt. Die Zeit, als ein früherer Oberbürgermeister nur Spott für die Debatte übrig hatte, sind vorbei. Gerade der neue Vorstoß in Richtung doppelter Saal am Gasteig wirft freilich ein weiteres Problem auf. Nikolaus Pont befürchtet „einen aufwändigen Prüfungs-, Umwidmungs- und Planungsprozess, der die notwendige Errichtung eines weiteren Saals auf nicht absehbare Zeit verzögert, wenn nicht sogar unmöglich macht.“ Hinter allem könnte also auch Kalkül stecken: Ob damit nicht eine Lösung ganz bewusst in eine ferne Zukunft verschoben wird?

So verändert München sein Gesicht

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Von Markus Thiel

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