Konzert-Wonne mit "Giardino Armonico"

- "Il Giardino Armonico" live erleben, das ist die reine Wonne. Beim Konzert im Münchner Herkulessaal hatten die fünf Herren um Luca Pianca, den leitenden Lautenisten, eine Dame im Schlepptau: Roberta Invernizzi. Eine Dame der Sonderklasse. Die junge Mailänderin, die Klavier und Kontrabass studierte, bevor sie sich dem Gesang zuwandte, lehrt als Spezialistin für Alte Musik selbst Barockgesang an der Pieta de' Turchini in Neapel.

Ihr herrlicher, dunkel grundierter Sopran faszinierte in vibratoloser Klarheit mit üppiger Mittellage und stets klangvoll gerundeter Höhe. Intonationssicherheit, Koloraturgewandtheit und eine temperamentvolle, ungemein plastische, gestische Phrasierung machten aus den frühbarocken Arien von Giacomo Carissimi, Marco Uccellini und den Kantaten von Benedetto Ferrari und Händel höchst lebendige musikalische Genüsse. <BR><BR>Zumal die hellwachen Giardino-Armonico-Solisten ihre Basso-continuo-Funktion in ein durchpulstes Mitatmen verwandelten und eine zarte Stütze, ein flexibles Fundament für die Stimme zauberten. In Uccelinis "La Bergamasca" entfachte die Barockgitarre eine spielerisch-tänzerische Freude. Staunend lauschte das Publikum den 300 Jahre alten Kostbarkeiten, die klangen, als wären sie im Moment geboren. Diese Spontaneität beflügelte auch die formal strengen instrumentalen Beiträge von Tarquinio Merula (Ciaconna) und Händel (Passacaglia). Aber auch Corellis in den Übergängen fein abgestimmtes Concerto grosso op. 6, 8 "Fatto per la notte di Natale". Lediglich die frühe Chaconne für Laute solo von Jacques Gallot wirkte im Kontext etwas fremd. Zum Höhepunkt mit Pergolesis Rezitativen und Arien aus "Orfeo" umschmeichelten Violinen (Stefano Barneschi, Marco Bianchi), Bratsche (Alessandro Tampieri, auch Gitarre), Cello (Paolo Beschi), Cembalo (Riccardo Doni) und Laute (Luca Pianca) wieder den nun mit natürlicher Dramatik und Ausdruckskraft aufwartenden Sopran von Roberta Invernizzi.

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