Ton Koopman und der Messias

- Leichtfüßig und transparent hielt Händels "Messiah" Einzug in den Münchner Herkulessaal. Ton Koopman stand nun in direkter Nachfolge von Nikolaus Harnoncourt, der im Oktober Schumanns "Paradies und die Peri" geleitet hatte, am Pult des BR-Symphonieorchesters. Mit diesen Engagements versucht das Orchester, an die Spezialensembles verloren gegangenes Terrain zurückzuerobern: Diesmal Händels Messias in der englischen Originalversion.

Ungewohnt schlank die Besetzung des Orchesters, das mit Violinen, Bratschen, zwei Oboen, einer Trompete und einer Pauke fürs Festliche und einer Continuo-Gruppe auskam. Es ließ sich vom aufmunternden Dirigat Koopmans zu flüssigem, nie verhetztem, höchst lebendigem Musizieren mitreißen. Dass dabei schon mal Stolperer passierten, in Nr. 15 "Glory to God" die Streicher förmlich zerfielen, irritierte nur kurz.

Koopman setzte auf einen natürlichen, dennoch wohl strukturierten Ablauf, zu dem die leicht bewegliche, gar nicht erdenschwere Continuo-Gruppe bestens harmonierte. Opernhafte Nachklänge waren erlaubt und theatralische Stimmungen wie im düster-geheimnisvollen Bass-Accompagnato (Nr. 9), in der sanft wiegenden Hirtenmusik (Nr. 12) oder im hitzigen Rasen und Toben der Heiden (Nr. 36) entfalteten sich plastisch.

Im besonders gefeierten, auf barock verschlungenen Wegen erfahreneren BR-Chor fand der Dirigent einen souveränen Partner. Ebenfalls licht besetzt, hoben sich die Stimmen konturklar voneinander ab, verschränkten sich zu intonationsreinem Miteinander in ausgewogener Balance. Mit geradezu tänzerischem Schwung besangen sie Jesajas Offenbarung "And the glory of the Lord" (Nr.4) und die durchaus emotional angereicherte Gewissheit "For unto us a child is born" (Nr. 11).

Auch das mit Trompete und Pauke pompös ausstaffierte Hallelujah am Ende des zweiten Teils büßte nichts an Beweglichkeit und Leichtigkeit ein und verleitete zahlreiche Zuhörer in der Pause zu gehen. Sie verpassten den Sieg über den Tod, den der Bassist Klaus Mertens eindrucksvoll bezeugte. Neben ihm bewährte sich die Sopranistin Sibylla Rubens. Daniel Taylors stilvoll geführtem Altus hätte man etwas mehr Durchschlagskraft gewünscht und Paul Agnews hellem Tenor eine ausgeglichenere Tongebung.

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