Der Kopf ist rund

- 64 Spiele in vier Wochen sind eine ernsthafte Konkurrenz. "Da lässt sich kein normaler Designparcours durchführen", sagen die Kuratorinnen Inez Rattan und Kirsten Wengmann, die seit 2002 jährlich diese Münchner Gestaltungsplattform betreuen. Doch so ganz hat die Fußball-WM die Freunde der guten Form nicht vertreiben können.

Das Forum Junges Design, Teilausstellung des Designparcours schon in den vergangenen Jahren, präsentiert sich fünf Wochen lang - bis zum Ende der WM - mit einer Fußball-Spezialausgabe in der Rathausgalerie.

"Freispiel" ist das Thema, freilaufen, freischwimmen, freidenken sollten sich die jungen Teilnehmer von den naheliegendsten Fußball-Assoziationen, aber auch vom passenden kommerziellen Nippes. "Stuhl oder Tasse aus Fußbällen hatten bei der Jury keine Chance", sagt Rattan. Dafür würden von den 18 Parcours-Teilnehmern "nie gestellte Fragen zum Thema Fußball beantwortet". Wie schön also, von diesen Antworten auf lustige Fragen gebracht zu werden! Etwa: Wie sticht die Spielerfrau ihre Konkurrentinnen aus? Oder was passiert, wenn man einmal mit der Schere an den Linien eines Fußballfeldes entlang schnippelt?

"Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können", sagt etwa die Recycling-Spezialistin Dunja Karabaic. Ihre "Spielerfrauen-Kollektion" besteht aus lauter Ringen in den Nationalfarben der WM-Teams. Dabei wird aus Müll eine Kostbarkeit, das Goldbändchen des Osterhasen fasst den Deutschlandfarben-Stoffrest ein, und auf dem Grün der italienischen Flagge erblüht ein Plastikblümchen. Einen Schnittmusterbogen sieht Verena Spring in einem Spielfeld, denn sie ist Schneiderin. Selbstverständlich auf ein kleineres Format reduziert, hat sie die rasengrünen Einzelflächen zur Küchenschürze oder zum Cocktailkleid vernäht.

Während Nils Rigbers abseits vom Fußball das Spielkind im Erwachsenen wiedererwecken will. In "Pelemele Spiele" hat er Utensilien gesammelt und sortiert, die man zum Kaugummi-Wettblasen oder zum Murmelschießen braucht. Und so wie Dosen oder Steine allüberall als Kickobjekt herhalten, so benutzt auch Matthias Ries gefundene Stühle. Er bedruckt sie mit "Public Chair" und setzt sie dem freien Spiel der Passanten aus. Aus den Automaten von "German Büdchen" kann sich der dauerbeanspruchte Arena-Besucher Andenken ans restliche Deutschland ziehen oder notfalls das Trostpflaster-Set "Exportweltmeister".

Auch drei Stipendiatinnen der Villa Waldberta haben mitgespielt, etwa die Niederländerin Sharon Geschiere, die die Umrisse der Wappen deutscher Fußballvereine zu einem chaotischen "Icon" übereinander gelegt und ein neues Wappen daraus kreiert hat. Wie junge Designer ganz unverkniffen und fantasievoll mit dem Fußballgroßereignis ihr Talent beweisen können, das ist wohl die wichtigste Frage, die diese Ausstellung vergnüglich beantwortet.

Bis 9. Juli. Mo.-So., 12 bis 20 Uhr. Eintritt frei. www.designparcours.net

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