Weg von der Kopflastigkeit

- Zum zehnten Geburtstag eine Hymne! Soweit ihm bekannt, sei SpielArt das einzige Festival mit eigenem Lied, begeisterte sich der Leiter Tilmann Broszat, als er das diesjährige Programm vorstellte. Aber um diese etwas kompliziert-verkiekste Hymne mitsingen zu können, muss das Publikum erst noch ein bisschen mit den Bairishen Geishas üben, die sie ersonnen haben. Die drei Münchner Künstlerinnen - zwei davon eine steife Mischung aus Mickey Mouse und Japan-Folklore-Puppe, die dritte ein mausgrauer Gouvernantentyp - begleiten mit ihren Performances die sechste Ausgabe von SpielArt, das heuer vom 17. November bis zum 3. Dezember stattfindet.

"P.O.P. - Passion-Obsession-Pathos" lautet diesmal das Thema des Festivals, das alle zwei Jahre veranstaltet wird. Das Motto sei, wie bislang schon praktiziert, nicht vorherige Aufgabenstellung, sondern Ergebnis internationaler Recherchen, so Broszat. Was in diesem Fall bedeute: Emotionen machen sich wieder auf der Bühne breit, Kopflastigkeit wird eher als Mangel empfunden. Zu Recht geschätzt wird das Festival für das "Nicht-Repertoirefähige", für das es ein Podium sei, so Münchens Kulturreferentin Lydia Hartl.Christoph Marthalers Repertoire-Liederabend "O.T. Eine Ersatzpassion" vom Zürcher Schauspielhaus nimmt sich da etwas fragwürdig aus. Die Veranstalter begründen die Entscheidung für den Programm-Höhepunkt nonchalant mit Marthalers jüngstem Wechsel zurück in die freie Theaterszene. Als wohlbekannter Gast wird auch die Kanadierin Marie Brassard wieder in München sein, die schon 2001 mit ihrer Arbeit "Jimmy" begeisterte. Diesmal feiert ihre multimediale "Peepshow" Deutschlandpremiere.Romeo Castelucci, italienischer Theateravantgardist, zeigt mit "Tragedia Endogonidia" einen Teil seiner unterhaltsamen Forschungen über das Wesen der Tragödie. Der Belgier Paul Heyvaert zeichnet in "Alst, a true story" den authentischen Gerichtsprozess über ein Elternpaar nach, das seine Kinder ermordet hat. Bestandteil von SpielArt ist auch der Auftakt der Reihe "Perform! Perform!" zum 20. Geburtstag des Gasteig (19. Oktober).Damit noch mehr Kulturexperimente möglich würden, warb Kulturreferentin Hartl für Nachahmer der Public Private Partnership, wie sie in dem mittlerweile 25 Jahre alten "Spielmotor" zwischen BMW und Stadt bestehe. Schließlich habe München mit seinem breiten Kulturprogramm einen Standortvorteil, den auch die Unternehmen zu wahren versuchen sollten.

17. November bis 3. Dezember. Vorverkauf ab 30. September. Karten unter Tel. 089/54 81 81 81. Infos: www.spielart.org.

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