Der Fuß in der Tür der Korruption

- "Gestatten, Deutschland!", salutiert Dietmar Deutschland und schiebt blitzschnell den Fuß in die Tür der Korruption. Hier wähnt sich Deutschland zuhaus, bereit etwa, die ahnungslosen Mieter durch die Kunden eines "Reeperbahn-arkadencenters" zu ersetzen.

Doch hätte er besser auf den sarkastischen Klingelton gehört, denn hinter der optimistischen Hamburger Adresse Große Freiheit Nr. 50 hat sich die Münchner Freiheit mit ihrer heuer 50-jährigen Lach- und Schießgesellschaft verschanzt. Böse kichernd und nur darauf wartend, das zu tun, was sie seit dem 12.12.1956 am besten kann: Herrn Deutschland mit seinen eigenen Waffen ­ und großer satirischer Freiheit ­ in die Knie zu zwingen.

Und Deutschland wimmert vor diesem fabelhaft schadenfrohen Jubiläumsprogramm um das zwar zahlen-, aber nicht lustfaktormäßig geschmolzene Ensemble aus Sonja Kling, Ecco Meineke und Thomas Wenke, das sich in fulminanter Verwandlungskunst einer flink aufgefädelten Kabarett-Kettenreaktion namens "verlängert" hingibt.

Die Kette: Deutschland hat sich in der Tür geirrt und liegt nun mit einem Koffer voller Schmiergeld und einer ominösen Warze am rechten Zeigefinger statt auf der Bahre von Dr. Bruck auf dem Sofa von Käpt‘n Blau.

Die Reaktion: Schon weht eine steife Brise friesischer Seemannsschläue dem, der wirklich Deutschland ist, in Medizinalplattdütsch um die verstopften Sinne, und hypnotisiert muss Deutschland seiner Vergangenheit in einer surrealen Geisterbahn gegenübertreten. Er spielt "Was bin ich?" mit Adolf Eichmann und singt als 68er-Chilene für die "Beton-Revolución"; er fährt Gehirn-U-Boot mit Käpt‘n Iglo ("Wir hängen fest in der Bayerischen Hirn-Enge!") und scheitert an Klinsi: "Kein Global Play, Mr. Deutschland, that‘s your problem!"

Doch, da dreht sich was, um nicht zu sagen: alles. Das feine allegorische Spielverderben ­ Auswuchs der schonungslosen Feder von Ecco Meineke, Manfred Kempinger, Sonja Kling und Andreas Rebers sowie der zickzackigen Regie von Ulf Goerke ­ ist vom zynischen Schwindel zur letalen Gehirnerschütterung entartet.

Herrn Deutschland sitzt bereits die finale Giftspritze in Gestalt des prachtvoll mordsdämlichen Moderationsgirlies Sarah Suttner zur Linken, da fällt plötzlich die himmlische Frage: "Soll Deutschlands Leben verlängert werden?"

Ja!, rufen die scheinfrommen Vaterlandsbesetzer der Lach- & Schieß mit Leidenschaft aus ein und derselben Kabarettbrust. Sie brauchen diesen Deutschland ja noch: für ihre nächsten großen Freiheiten.

Bis 13. Januar 2007, 20 Uhr, Ursulastraße 9. Karten: 089/ 39 19 97.

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