Kosmische Explosion im Tanztheater

- Mit der Uraufführung von "4" startet das Staatstheater am Gärtnerplatz Sonntagabend unter der musikalischen Leitung von Andreas Kowalewitz in die neue Ballettsaison. Komponist dieses Tanz-Events ist Trompeter Johannes Faber, der im vierten Jahr äußerst erfolgreich die hauseigene Jazzreihe organisiert, leitet und moderiert. Dies jetzt ist seine erste Arbeit sowohl für Tanztheater als auch für großes symphonisches Orchester.

<P>Welche Rolle spielt das Ballett für Sie?<BR>Faber: Musik hat ja etwas mit Bewegung zu tun, und die Idee, sie in Bewegung umzusetzen, fasziniert mich schon sehr lange. Bei einem meiner Jazzabende improvisierte Philip Taylor spontan mit einigen seiner Tänzer. Das bestärkte mich, selbst etwas für das Ballett zu schreiben.</P><P>Worauf basiert Ihr Stück?<BR>Faber: Man kann das philosophisch sehen: An einem Tag durchlebt man ja auch sein ganzes Leben: morgens die Kindheit, mittags die Jugend, abends die Reife und in der Nacht das Alter. Das lässt sich wiederum mit den vier Jahreszeiten verbinden. Sie, die vier Himmelsrichtungen und die vier Elemente habe ich mit einbezogen. Die ersten vier Teile repräsentieren Lebenszyklen. Der fünfte Teil steht für die geistige, ätherische Essenz oder Existenz.</P><P>Wenn Sie das Stück "4" nennen, warum hat es fünf Teile?<BR>Faber: Weil ich das Alogische liebe. Der Abend hat fünf Teile, weil er "4" heißt. Das hat auch numerologische Hintergründe, Zahlensymbolik, aber darauf einzugehen würde sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.</P><P>Sind Sie denn ein sehr mystischer Mensch?<BR>Faber: Nein, eigentlich überhaupt nicht. Ich bin sehr unmystisch, weil es so viel Mystik gibt.</P><P>Wie haben Sie die Komposition angelegt?<BR>Faber: Im Prinzip wollte ich eine komplette Eigenkompositionen. Zunehmend schoben sich aber immer mehr bereits vorhandene Volksthemen verschiedener Kulturen in den Vordergrund. Ein japanisches namens Sakura (Kirschblüte), ein kongolesisches Seilhüpflied mit dem Titel Andeleli Oboduo, im dritten Teil habe ich eine Eigenkomposition im Jazzstil verwendet und für den vierten Teil das russisches Schlaflied "Spi mladjenec". Der fünfte Teil heißt Quintessenz. Alle Themen fließen ineinander und enden in einer kosmischen Explosion, bei der übrigens zum ersten Mal in der Geschichte des Orchester des Gärtnerplatztheaters jeder einzelne Musiker improvisieren wird.</P><P>Welche Musik darf man von Ihnen erwarten?<BR>Faber: Es heißt bewusst nicht Jazz-Ballett, ist es auch nicht. Auch meine Musik dafür ist keine Jazz-Musik. Ich improvisiere zum Teil, nach den Bewegungen. Also ich bleibe in meinem Herzen Jazz-Musiker, als Komponist bin ich aber kein Jazz-Komponist.</P><P>Haben Sie sich in der harmonischen Bandbreite vom Mittelalter bis zur Moderne bedient?<BR>Faber: Das könnte man so sagen. Es ist auf jeden Fall harmonische Musik, mit sehr vielen Reibungen. Ich selber liebe harmonische Musik. Für mich steht über allem die Musik von Johann Sebastian Bach, das ist meine musikalische Bibel.</P><P>Wie sieht Ihre aktive musikalische Mitwirkung in der Produktion aus?<BR>Faber: Ich selber dirigiere nicht, stehe aber auf der Bühne, spiele Trompete und bin in die Choreographie eingebunden, ohne zu tanzen, Gott sei Dank!</P><P>Das Gespräch führte Dorothea Hußlein </P>

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