Erdogan erleidet Schwächeanfall bei Gebet

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Kosmos und Ackerdistel

- "Es war, als hätt' der Himmel/ Die Erde still geküsst": Was Eichendorff in seinem Gedicht "Mondnacht" beschrieb, malten Münchner Künstler Mitte des 19. Jahrhunderts. Es waren die so genannten "Nordländer" - Kollegen von Norwegen bis Dresden -, die eine neue Sehweise in die Residenzstadt mitbrachten. Inspiriert von der Kopenhagener Akademie und einem neuen Verständnis der traditionellen niederländischen Landschaftsmalerei schauten sie mit anderen Augen auf Bayerns Flure. Der Kosmos zählte, aber auch der banale, von Kutschenrädern zerfurchte Wegesrand.

An dieser künstlerischen "Diskussion" nahm ebenfalls der Maler Ernst Kaiser teil. 1803 wurde er in Rain an der Ach geboren, war in München ansässig, aber nie Stadtbürger, bekam sogar von Ludwig I. ein Stipendium für eine Italienreise, arbeitete hauptsächlich in Bayern und München, starb 1865 - und blieb ansonsten ziemlich unbekannt. Obwohl wahrscheinlich die meisten Hiesigen seinen wunderschönen "Blick von Oberföhring auf München", 1839, kennen. Ihm widmet jetzt das Münchner Lenbachhaus die Ausstellung "Ernst Kaiser - Nah und fern" (Kuratorin: Barbara Eschenburg). Dieses Motto beschreibt auch sein berühmtes Gemälde.

Der Künstler schaut ins weite Land: von den Flussauen der Isar auf die Silhouette der Stadt mit den Türmen von der Au bis zur Ludwigskirche und noch entfernter auf die Silhouette der Alpen mit der scharfen Bruchkante der Zugspitze. Ganz vorn, ganz nah aber die sandig-kiesige Bruchkante an der Wegböschung und die Vegetation von Magerwiesen wie Königskerze oder Ackerdisteln.

Lichtblaues Bayern des Maler-Meteorologen

Im Lenbachhaus umrahmen Landschafter wie Thomas Fearnley, Christian E. B. Morgenstern, Heinrich Bürkel oder Heinrich Crola Ernst Kaisers Schaffen, von dem man mit Müh und Not fünf Bilder ausleihen konnte. Neben einer bezaubernd lichtblauen Chiemseelandschaft, die durch die Ausstellungsvorbereitung aus privater Hand ins Haus kam, sind es die Blätter aus Kaisers Nachlass, die die Schau spannend machen. Die Aquarelle und Gouachen aus der Staatlichen Graphischen Sammlung sind Vorarbeiten, sind Skizzen, Versuche, ästhetische Forschungsreihen. Kaiser will das Licht verstehen, und tastet dem nach mit Bleistift und Pinsel.

Er will wissen, wie Himmel und Erde, und alles, was auf ihr ist, sich wandeln, wenn die Sonne auf- oder untergeht, wenn Regen und Wolken Konturen aufweichen oder wenn seidiger Azur gläsern rein überm Wasser steht. Die Genauigkeit eines Meteorologen verbindet Ernst Kaiser da mit dem Mut eines Fast-Impressionisten und der altmeisterlichen Geste des Malers einer symbolischen Weltlandschaft.

Ähnlich die Kombination Naturwissenschaft und Kunst bei den Pflanzen. Die vielen farbigen Zeichnungen der Flora am Wegesrand sind botanisch korrekt und voller Achtung für die unscheinbare Natur. Diese Neugier entspricht dem Zeitgeist. So ist in der Schau der Bildband "Flora Monacensis" präsent, der weder Huflattich noch Wiesensalbei verschmäht. Dass "nah" und "fern" auch heute noch interessant sind, beweisen einen Raum weiter etwa Maurizio Nannucci mit seinen 60 Grünschattierungen - natürlich Pflanzen - oder Joseph Beuys mit zum Stein-Konglomerat verbackenem Atelier-Müll ("Hasengrab"). Die Lichtstimmungen der Maler hingegen greift Michael Wesely mit abstrakten Fotografien vom Chiemsee auf. Himmel und Erde küssen sich hier nicht nur, sie verschmelzen.

Bis 23.4., Katalog: 14 Euro; Tel. 089/ 23 33 20 00.

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