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Jürgen Rose: Er weiß um die Sinnlichkeit von Stoffen.

Sein Schaffen wird ausgestellt

Kostümkünstler Jürgen Rose: Ein besonderes Lebens-Drama

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München - Ein besonderes Lebens-Drama: Das Theatermuseum und die Akademie der Schönen Künste zeigen das Schaffen des Bühnen- und Kostümkünstlers Jürgen Rose.

Wie schafft man es, hundertprozentig sicher eine herausragende Ausstellung zu bieten? Man plant eine über das Schaffen von Jürgen Rose und – ganz wichtig – lässt ihn diese selber gestalten. So ist es im Deutschen Theatermuseum München und in der Bayerischen Akademie der Schönen Künste geschehen. Der Bühnen- und Kostümbildner sowie (bisweilen) Regisseur inszenierte hinreißend sein berufliches Œuvre als 50 Jahre umfassendes „Drama“ mit dem Titel „Jürgen Rose: ,Nichts ist so lebensfüllend wie das Theater‘“. Noch kurz vor der Pressevorbesichtigung legte er, hoch konzentriert kaum jemanden wahrnehmend, letzte Hand an. Dieses sein (Lebens-)„Stück“ besteht aus all den Werken, die er seit den Sechzigerjahren für deutsche und internationale Bühnen entwickelt hat – und genauso intensiv, wie er für jene konzipiert hatte, gestaltete Rose nun die Ausstellung.

Wagner-Klänge und Flammenmeer empfangen den Besucher im Museum, der etwas scheu zwischen die Götter aus Richard Wagners „Ring des Nibelungen“ tritt. Rose signalisiert mit dieser jüngsten Arbeit für Genf (2013/ ’14, Regie: Dieter Dorn) sogleich, dass es hier nicht nostalgisch um Museumsweihen geht, sondern um jetzt, genau in diesem Augenblick vitale Theaterkunst. In der Tat wirken selbst die Kostüme, Bühnenmodelle und Zeichnungen aus den Sechziger-, Siebzigerjahren, als würden sie in einer Stunde nebenan in der Oper aufgebaut oder als würde Lisa-Maree Cullum abends in eines der Hauch-Kleidchen steigen. Dabei informiert Rose, der 1937 in Bernburg an der Saale geboren wurde, in der Schau durchaus didaktisch klug über seinen schöpferischen Werdegang. Aber eben lustvoll, so wie Theater, so wie Kunst sein sollte.

Keine der Puppen ist 08/15-fad

Sorgfältig hat er die Puppen für seine Kostüme ausgesucht – keine ist 08/15-fad – und gekonnt zu Szenen komponiert: am prickelndsten in den jeweiligen Treppenhäusern. In Beziehung gesetzt werden die Figuren zu Bühnenbildmodellen, Fotos, ja ganzen Foto-Friesen, Filmen von Aufführungen und vor allem zu den Zeichnungen. Sie sind die eigentliche Überraschung – wohl auch für Jürgen Rose selbst. Plötzlich sieht er sie, nun gerahmt, als Kunst, wobei er bescheiden betont, nie freier Künstler gewesen zu sein. Alle Entwürfe dienten dem Stück, dem Darsteller. Trotzdem sind die Blätter mehr: Sie frappieren zunächst durch ihre stilistische Vielfalt – von Corot’schen Baumgruppen über „Illustrationen“, als stammten sie aus einem altdeutschen Folianten, bis hin zu expressiven Entäußerungen. Das ist aber nicht fröhliches Virtuosentum, sondern Roses gewissermaßen symbiotisches Verfahren, dem Thema unter die Haut zu kriechen. Viele Bilder „interpretieren“ schon bestimmte Szenen oder Charaktere. Manchmal so gut, dass man hoffen muss, die Darsteller haben sie nie gesehen. Denn es muss schwer sein, an sie heranzureichen.

Im Theatermuseum verabreicht der Künstler dem Publikum ein wohldosiertes, fein komponiertes „Drama“ und holt  danach in den Akademie-Sälen zu einem fast zu üppigen Finale aus. Wer dann noch nicht begriffen hat, was die Sinnlichkeit von Kostümen  für die darstellende Kunst bedeutet –  und  dass daran selbst das 3D-Kino nie heranreichen kann –, der  ist zu bedauern. All die anderen schwelgen in Ideenfülle zwischen Archaischem und Fantasy; und erinnern sich selig an „Faust“ und „Cosí fan tutte“, „Troilus und Cressida“ oder „Götterdämmerung“.

Öffnungszeiten

Bis 18. Oktober, Di.–So. 10–16 Uhr (außer Pfingstsonntag); Theatermuseum, Galeriestraße 4a, Akademie, Max-Joseph-Platz 3; Begleitbuch, Henschel Verlag: 29,95 Euro.

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