Kräfte der Natur

- Wie begeisterungsfähig sind wir für ein Thema, das durch die Flutkatastrophe in Südostasien besondere Aktualität gewonnen hat? Bayerns Staatsminister Thomas Goppel stellte diese Frage seinen kurzen Begrüßungsworten anlässlich der Aufführung von Joseph Haydns "Schöpfung" im Münchner Herkulessaal voran. Neben den kulturellen hob er die christlichen Werte als wichtig für die Gesellschaft hervor und hoffte, dass man nach den Tagen der Erschütterung und Lähmung wieder zur Heiterkeit zurückfände, die die Natur auch böte. Mit seiner Anwesenheit wollte Goppel zugleich das Engagement des erst 2001 gegründeten "Klassik Chores München" unter seinem Leiter Robert Scheingraber unterstreichen.

<P>Haydns dreiteiliges Oratorium, in dem Gott für die Erschaffung von Licht und Finsternis, Land und Meer, Tieren und Pflanzen mit ekstatischen Jubelchören gedankt wird, bekam bei dieser Aufführung durch sechs eingeschobene Texte zur Schöpfungsthematik - von Wolf Euba eindrucksvoll lebendig und ausdrucksstark rezitiert - eine andere, durchaus andächtige und philosophische Note. Der Beginn des Oratoriums, die "Vorstellung des Chaos", geriet zu harmonisch weich, als hätte man Sorge, nach der über die Menschheit gekommenen Naturwucht sich musikalisch auf die formlose Urmaterie einzulassen. </P><P>Wunderbar sonor skizzierte Bassist Peter Harvey aus Sicht Raphaels den Anfang der Schöpfung und blieb stimmlich bis zum Ende in seiner Partie als Adam sehr präsent. Die Primadonna der Alten Musik, Emma Kirkby, gestaltete die Szenen des Gabriel und der Eva mit frisch-lebendigem und koloratursicherem Sopran; und Tenor Christian Fliegner kommentierte als Ariel mit weicher Stimmführung bewegt das Geschehen. Vital begleitete das Augsburger Ensemble La Banda auf historischen Instrumenten. Robert Scheingraber setzte mit seinem emphatischen Dirigat insgesamt mehr auf Idylle denn auf Dramatik. Der "Klassik Chor München" zeigte mit seinen gut über 60 Mitgliedern große Geschlossen- und Nuanciertheit. </P>

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