Ein Kraftakt

- Diese Hände, SEINE schlanken Hände, die sich bedeutungsschwanger auf den Stein legen, eins mit der Natur werden, dabei womöglich Kraft aus dem Ewigen saugen: So schlimm wie das CD-Cover ist diese Aufnahme gottlob nicht. Obwohl die Richtung schon stimmt.

Ein Kraftakt ist nämlich Christian Thielemanns Mozart-Requiem, keine bescheidene Filigrantüftelei. Vor einigen Monaten, als er das Stück in München dirigierte, mögen Originalklangjünger aufgestöhnt haben, doch zugleich wurde bewiesen: Auch diese Sichtweise, wiewohl ein wenig aus der Zeit gefallen, trifft Mozarts Deutung der letzten Dinge.

Auf der CD ist naturgemäß der starke Eindruck des räumlichen Erlebens verflogen. Manches wirkt durch die Mikrofon-"Vergrößerung" pauschaler, starrer, hätte mehr Phrasierungsatem vertragen. Doch zu erfahren ist wieder, wie ernst es Thielemann mit dem Stück ist. Wie er Gewichtiges erzielt, ohne zu theatralisieren, wie er auch viel Streicher- und Vokalsubstanz zulässt, ohne den Klang zu verfetten.

Bewusst wird immer wieder die "Todesfarbe" der Posaunen eingesetzt. Mozarts Requiem als Ehrfurcht gebietendes Monument ­ fast hätte man solche, nicht weniger logische Interpretationen schon vergessen.

Wolfgang Amadeus Mozart: Requiem. Chor des Bayerischen Rundfunks, Münchner Philharmoniker, Christian Thielemann (Deutsche Grammophon)

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