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Mit „Boing! – Boom! – Tschak!“ ist alles gesagt: Die legendäre Elektro-Band Kraftwerk beehrte München für seltene Konzerte – im Gepäck eine tolle 3D-Show.

Kraftwerk-Kritik: Feierabend bei den Mensch-Maschinen

München - Kraftwerk bollern ihre Hits durch die Alte Kongresshalle. Hier lesen Sie die Konzertkritik.

Die Touristin ist begeistert: Fünf junge Kerle stehen da auf dem U-Bahnsteig Hauptbahnhof, gut gelaunt in weißen Bademänteln, mit runden Schweißerbrillen und Sturzhelmen. Kraftwerk? Kennt die Dame nicht. Aber sie lässt sich gerne mit den lustigen Fans der Band fotografieren. Man sieht: Man muss nur lange genug warten, dann bringt man es als Avantgarde irgendwann zu volkstümlicher Beliebtheit. Die Elektropop-Pioniere Kraftwerk galten ja in ihrer Hochphase immer auch als spröde Künstler. Aber die drei Konzerte der Band in der Alten Kongresshalle zeigten: Sie können Party feiern, und wie!

„Meine Damen und Herren“, tönt eine blecherne Stimme, „Kraftwerk – die Mensch-Maschine“. Der Vorhang fällt, und da stehen sie: Vier Männer in den besten Jahren und schwarzen Overalls hinter neonbeleuchteten Pulten. Lange waren sie erwartet worden – denn sie treten seltenst in Deutschland auf. Im Hintergrund sieht man auf einer Leinwand die spektakulären 3D-Installationen, die derzeit im Lenbachhaus präsentiert werden. Das Publikum trägt Spezialbrillen und bewundert die roten Figuren, während das Erkennungslied „Die Roboter“ aus den Boxen bollert.

Nur noch ein Gründungsmitglied ist dabei: Ralf Hütter, er steht ganz links und singt mit immer noch jugendlicher Stimme die sloganhaften Wortfetzen, die die Band berühmt machten. Bewundernswert, wie die vier es schaffen, so wenig mitzugrooven: Von vorne sehen sie aus, als stünden sie nur durch Zufall auf der Bühne und würden während der Show ihre Online-Bankgeschäfte erledigen – derweil sie sich als Ikonen abfeiern lassen.

Hauptgrund für die Super-Stimmung ist die Musik, die auf einen wuchtigen House-Sound getrimmt wurde. Aber auch optisch wird’s nie langweilig: Bei „Computerwelt“ fliegen einem 3D-Nummern, bei „Vitamin“ die Pillen ins Gesicht. Der Höhepunkt: „Tour de France“, das mit alten Schwarz-Weiß-Bildern und geometrischen Flächen spielt. Nach zwei Stunden Spektakel sieht Hütter auf die Uhr – Feierabend! – und schenkt den Fans ein erstes Lächeln. Ein denkwürdiger Abend.

Von Johannes Löhr

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