Krankheit der Jugend

- Es ist noch spürbar im Freimanner Metropoltheater: das sympathisch nostalgische Ambiente des einstigen Vorstadt-Kinos. Und da passt, Zufall oder nicht, diese, ja schon Tradition, Filmstorys auf die Bühne zu holen. Nach "Ballhaus" und "Das Fest" hatte jetzt Danny Boyles 90er-Jahre-Kultstreifen "Trainspotting" Premiere, in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Theaterakademie. Sehr professionell geführt von Konstantin Moreth, fetzten die Abschluss-Studenten dieses Panorama jugendlicher Junkies zwischen Sucht, Sex und Gewalt auf die Bretter.

<P>Ursprünglich stammt diese auf dem Heroin-Kick existierende Clique aus der Feder des Bilderstürmers Irvine Welsh, der mit seinem vulgären Schottisch eine unerbittliche Authentizität herstellt. Zu Recht hat Moreth, hierorts als Schauspieler bekannt, aber auch als Regisseur kein Newcomer, den Figuren und ihrem Milieu diese Härte genommen. </P><P>Und als Jugenddrama über pubertäre Selbstfindungsprobleme, Liebesbedürfnisse und Betäubungsstrategien bietet es klassischen Stoff, an dem die Akademieler sich beweisen konnten. Zwischen dem rechteckigen erhöhten Sandkasten und dem dahinter hochragenden Bahndamm (Gretl Kautzschs stimmiger "Kinderspielplatz") zelebrieren sie den ersehnten "Schuss" wie einen Gottesdienst, sacken zugedröhnt auf den Sand, schwenken ihren Body rock-funk-sexy zu Nostalgie-Schnulzen der 50/60er, inszenieren ein Puppen-Fußballspiel - Jochen Drechslers Glanznummer als Profi-Journalist am Mikro -, treiben es mit diversen kessen "Schnitten", im fliegenden Wechsel gespielt von Natascha Shah und der wunderbar wandelbaren Dagmar Geppert.<BR><BR>Das geht auch bei André Felgenhauers Simon und Felix Kuhns Franco/Johnny noch nicht so in die wirkliche Tiefe von existenziellem Grauen und Verzweiflung. Kommt später, im Engagement. Bühnenreife jedoch, was Handwerk betrifft, haben sie - aber wie. Vor allem können sie ausgezeichnet sprechen, was der einzige Profi, Antonio Wannek, seiner Vita nach ein shootender Film-Stern, noch tüchtig üben muss. Als auch substanzieller Erzähler - die epische Ebene schiebt sich immer wieder ins Gegenwarts-Spiel - gibt er seinem Mark nur ein dünn-vernuscheltes Stimmchen und fällt ab gegen die Körperpräsenz der Kollegen.</P><P>Noch sieben Mal bis 17. 3. Tel: 089/ 32 19 55 33.<BR></P>

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