Krasse Kontraste

München - Jamie Cullum im Münchner Circus Krone - eine Konzertkritik:

Der rockt das Haus vom Piano aus: Tasten-Tausendsassa Jamie Cullum erweist sich bei seinem fulminanten Auftritt im ausverkauften Circus Krone nicht nur als phänomenaler Pianist, Sänger und Songschreiber, sondern auch als ebenso begnadeter Entertainer, der das Publikum mühelos zu mehrstimmigen Chorgesängen und Beifallsstürmen animiert.

Furios fetzt der 1,60 Meter kleine Jazz-Hobbit mit Wuschelkopf, Kulleraugen und Glitzerturnschuhen über die Bühne, als wäre er ein Feuerwerkskörper, der den Flügel zur Explosion bringen will - wie auf dem Cover seiner jüngsten CD „The Pursuit“. Gemeinsam mit vier brillanten Multi-Instrumentalisten swingt und groovt der 30-jährige Brite, was das Zeug hält - und wirbelt dabei munter alle möglichen Stile durcheinander: In Blues- oder Latin-Jazz-Gefilden fühlt er sich ebenso zu Hause wie im TripHop oder Power-Pop.

Mit souveränem, rauem, volltönendem Bariton singt er etwa über die Nöte eines Twens („Twentysomething“) oder über nicht eingehaltene Neujahrs-Vorsätze („Next Year, Baby“). Von hauchzart bis beinhart: Immer wieder wagt Cullum in seinen Songs krasse Kontraste, bei denen Elton John vermutlich einen Herzkasperl bekäme. Dazwischen führt er mit charmanten Ansagen (teilweise sogar auf Deutsch) durchs Programm - und fasziniert mit aufregenden Neuinterpretationen von Cole-Porter-, Jeff-Buckley- oder Jimi-Hendrix-Klassikern. Pharrell Williams’ „Frontin“ wird beispielsweise zu einem atemberaubend intimen Duett zwischen Stimme und Kontrabass. Und Rihannas Soulpop-Heuler „Don’t Stop the Music“ verwandelt Jamie Cullum in eine lässig-laszive Laid-Back-Nummer, bei der er seinen Mund als Beatbox und seinen Yamaha-Flügel als Perkussionsinstrument benutzt. Der Lohn: Standing Ovations für den quirligen Struwwel-Jamie.

Marco Schmidt

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