John Lennon und Paul McCartney sind das berühmteste Komponisten-Duo aller Zeiten

Kreativität im Doppelpack

Ungefähr 60 Titel der Beatles gelten heute definitiv als gemeinschaftliche Kompositionen von John Lennon und Paul McCartney. Auf den Platten findet sich die Angabe Lennon/McCartney allerdings bei weit mehr Titeln.

Vor allem die frühen Hits wie „Love Me Do“, „She Loves You“, „I Want to Hold Your Hand“ sind das Gemeinschaftswerk des genialen Duos. Doch selbst auf dem „Abbey-Road“-Album, auf dem sich die letzten Aufnahmen der Beatles befinden, wollten die beiden ihre Titel als Gemeinschaftswerk präsentieren, auch wenn Puristen das aufdröseln und beispielsweise „Come Together“ John Lennon zuordnen, „Maxwell’s Silver Hammer“ dagegen Paul McCartney. Aber wie muss man sich diese Zusammenarbeit vorstellen? Wie mixten die beiden ihre Musik- und Textideen zusammen, wie wurden daraus Titel von geradezu klassischer Perfektion?

Über die Entstehung von „I Want to Hold Your Hand“ ist überliefert, dass John und Paul im Keller des Elternhauses von Pauls Freundin Jane Asher am Klavier saßen und begannen, sich gegenseitig Melodiefetzen und Textzeilen zuzuwerfen. In kurzer Zeit war dann das Gerüst des Songs fertig. Ähnliche Momente eines kreativen Brainstormings der beiden wird von Studiosessions berichtet, aber auch von Fahrten im Tourbus.

An der Ausarbeitung solcher Songs waren nicht nur die übrigen Bandmitglieder, sondern auch die Studiotechniker beteiligt. Dennoch - die Idee für einen Song ist oft etwas Individuelles. Oft haben John Lennon und Paul McCartney quasi eine Skizze mitgebracht, an der dann gearbeitet wurde.

Entscheidend war, wie sich John und Paul ergänzten. McCartney besaß musikalisch wie textlich eine lockere Ader, dazu ein besonderes Gespür für eingängige Melodien - bestes Beispiel dafür ist sein Megahit „Yesterday“. Weniger eingängig und anschmiegsam, dafür aber harmonisch kühner, schroffer und von den Texten her ernster, auch abseitiger, war Lennon. „Lucy in the Sky with Diamonds“, der berühmteste Titel aus dem genialen „Sgt.-Pepper“-Album, ist dafür ein Beleg.

Auf einen schlichten Nenner gebracht: John bewahrte Paul davor, banal zu werden, und Paul sorgte dafür, dass John nicht den Boden unter den Füßen verlor. Beide beeinflussten sich auch da, wo sie nicht gemeinsam an Songs feilten. Die intensive Zusammenarbeit prägte sie auch dann, wenn jeder für sich komponierte.

Und sie trieben sich gegenseitig an. Immer neue Harmonien und Klangfarben kamen zum urspünglich einfachen Gitarren-Beat dazu, man integrierte Streichquartette („Eleanor Rigby“), baute Trompetensoli ein („Penny Lane“) und ließ die indische Sitar („Norwegian Wood“) exotische Klangfarben beisteuern. Gerade weil John keine und Paul nur eine unzureichende Musikausbildung genossen hatte, waren beide, wie Experten glauben, unbefangen und aufgeschlossen gegenüber allen nur möglichen musikalischen Einflüssen.

Neben diesem Kreativ-Duo hatte es auch ein so ernsthafter und begabter Musiker wie George Harrison schwer, sich zu profilieren. Dabei steuerte er viele tolle Songs bei, darunter „Something“ auf „Abbey Road“. Und auch Ringo Starr, der sich mit Titeln wie „Octopus’s Garden“ und „Don’t pass me by“ in die Songliste eintrug, hinterließ kreative Spuren.

Von Werner Fritsch

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