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Das Wildbad in Kreuth im Fokus: Ein Kameramann filmt den Ort der jährlichen CSU-Klausur. Zu den Journalisten, die aus Kreuth berichten, gehörte lange Jahre auch Harry Luck. Seine Erfahrungen hat er jetzt in den (fiktiven) Krimi „Kreuther Komplott“ einfließen lassen.

Kreuther Kompott

Kreuth - Sie haben gezetert, getrunken und geputscht im wunderschönen Wildbad Kreuth, jetzt morden sie auch noch. Harry Luck verrührt in seinem Krimi Lokalkolorit mit Geschichterln aus der CSU und einer Romanze

Die Teilnehmer der CSU-Winterklausur finden sich mal wieder im verschneiten Seitental ein, und es wird blutig zwischen Ministern, Lakaien und Journalisten.

„Kreuther Komplott“ tauft Harry Luck seinen neuen Krimi. Ein Kreuther Kompott ist es geworden. Viel Lokalkolorit rührt er da zusammen mit Gschichterln aus der CSU, dazu eine zarte Liebesgeschichte um die blonde holländische Polizistin Anneke. Wer das liest, bekommt den Eindruck, so eine Klausur der CSU-Landespolitiker wäre eine mordsmäßig spannende Veranstaltung. Das ist zwar falsch, tut dem Krimi aber gut und dem Jahr für Jahr wider besseres Wissen beschworenen „Mythos von Kreuth“ sowieso.

Die Geschichte ist eher einfach angelegt. In Kreuth will die machthungrige CSU den nächsten Ministerpräsidenten ausmauscheln, den alten zieht’s nach Berlin. In die Klausur platzen die Nachrichten, dass der CSU-Fraktionschef ebenso nackt wie tot aus dem Tegernsee gezogen wurde und man den Innenminister zwar lebend und angezogen, aber bei unstatthaftem Damenbesuch fotografiert hat.

Jener Innenminister übrigens ist der junge, schneidige Baron von Donnersberg. Ein leicht verfremdeter Guttenberg soll das wohl sein, inklusive Blaulicht-Fahrt zum Rockkonzert. Wie einem insgesamt manche Figur im tödlichen Komplott arg bekannt vorkommt, bis hin zum Grünen-Landeschef mit Zehn-Tage-Bart und der Boulevard-Journalistin mit den leider oft nicht zu Ende recherchierten Reißer-Artikeln.

Der Krimi-Autor Harry Luck stand als erfahrener Polit-Journalist selber schon manchen Januar frierend vor dem Wildbad und fragte sich, was er da tut. Er lief durch den Landtag, kennt die Teppiche in den Ministerbüros. Die Präzision merkt man seinem „Kreuther Komplott“ an. Wie der 39-Jährige Fakten, Fiktion und Filz verwebt, ergibt den Reiz dieses Buchs. Der Leser hat sie greifbar vor sich, die ergrauten Minister in ihren legeren Kreuth-Strickjackerln, die drum herum scharwenzelnden Ministerialbeamten mit Krawatte, die Kofferträger und die Personenschützer. Anneke, die fiktive Kommissarin Ende 20, muss mitten unter ihnen ermitteln.

Angesiedelt ist der Krimi irgendwann nach dem Kreuther Stoiber-Sturz und dem Beckstein-Intermezzo. In einer Zeit jedenfalls, in der die CSU Lust an der gepflegten Intrige hat – könnte also immer sein. Seine CSU-Parodie treibt Luck dabei nicht bis zum Letzten, biegt seine Figuren nicht krampfhaft hin, damit sie vielleicht als Söder oder Seehofer oder wenigstens Södhofer erkannt werden könnten. Er erlaubt sich sogar den Spaß, einen mächtigen, tapferen, durchsetzungsstarken Justizminister auftreten zu lassen. Da staunt der Insider: So etwas hatte Bayern doch seit Jahrzehnten nicht mehr. Der soliden Dramaturgie der Geschichte ist das große Finale mit Schusswechsel vor der Wildbad-Pforte geschuldet. Mag etwas überzogen sein, ist aber spannend. Im nächsten Januar wird die Meute in Kreuth davon träumen, dass mal so viel los ist.

Christian Deutschländer

Harry Luck:

„Kreuther Komplott“. Emons Verlag, 208 Seiten; 9,90 Euro.

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