Krieg ist leichter als Frieden

- München - Zu der Politik der Bush-Administration in Afghanistan und gegen den Irak hat Jürgen Todenhöfer ein kritisches Buch vorgelegt. Es hat in wenigen Wochen schon über 35 000 Käufer gefunden. Der frühere CDU-Politiker hat den Schrecken des Krieges schon 1980 in Afghanistan hautnah erlebt, als er, in einem Erdloch verkrochen, nur knapp dem Tod durch einen in niedriger Höhe kreisenden sowjetischen Hubschrauber entkam. "Heute glaube ich, dass der junge russische Pilot einfach nicht töten wollte, dass er genug hatte von diesem unsinnigen Krieg (...) Aber Frieden ist schwer, Krieg ist viel leichter."

<P>Ostern 2002 reist Todenhöfer mit seinem 18-jährigen Sohn in den Irak, in das "Reich des Bösen". Not und Elend der Bevölkerung, vor allem der Kinder, lernt er kennen in einem Land, in dem schon in den Jahren 1991 bis 1996 eine kaum vorstellbare Hungersnot geherrscht hat. "Die Not in den ländlichen Gebieten des Irak ist noch größer als in Bagdad. Kleinkinder, die ernsthaft krank werden, haben keine Überlebenschance." </P><P>Der Autor erinnert daran, dass es den USA bisher nicht gelungen sei, ihr erklärtes Kriegsziel zu erreichen, nämlich Osama bin Laden zu fassen. Al Kaida sei heute gefährlicher denn je. Mit der neuen Konfrontation gegenüber dem Irak wolle Präsident Bush von diesen Misserfolgen ablenken. Für den Kriegsgegner Todenhöfer ist der Streit um den Irak eine "Schlacht der Lügen", bei der es in Wahrheit auch um Erdöl gehe.</P><P>Die Stärke des Buches liegt allerdings nicht in der politischen Analyse. Für seine Behauptung, mit Bestechungen und Verhandlungen hätten die USA in Afghanistan mehr erreichen können als mit den Bomben auf Tora Bora, gibt es keinerlei konkrete Anhaltspunkte. Auch bleibt offen, wie die Unterdrückung der Iraker durch ihren grausamen Diktator und die von ihm ausgehende Bedrohung der Welt friedlich beendet werden könnten.</P><P>Die Stärke des Buches ist, dass Todenhöfer die vielen unschuldigen Opfer der Feldzüge gegen Al Kaida und gegen den irakischen Diktator in das Blickfeld rückt. Menschen, deren Leben genauso viel zählt wie das eines Bürgers in New York, London oder Frankfurt und die in der Schreckenssprache der Militärplaner nur als "Kollateralschaden" auftauchen. Ihnen eine Stimme zu geben ist das große Verdienst dieses bewegenden Buches, das Todenhöfer zur richtigen Stunde vorgelegt hat.</P><P>Das zweite große Verdienst des Buches ist es, dass Todenhöfer seine Kritik an der Bush-Politik vorbringt vom Standpunkt eines überzeugten Freundes Amerikas und der Amerikaner. Todenhöfer gehört zu der Generation von Deutschen, die nicht vergessen haben, dass wir den Amerikanern unendlich viel zu verdanken haben. Von der Befreiung 1945 über die Wiedervereinigung 1989 und bis heute zieht sich das Band einer segensreichen Beziehung zu dieser großen Demokratie.</P><P>Ob es wirklich unausweichlich ist, den Irak jetzt anzugreifen, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Die Amerikaner selber sind es auch. Keine verschiedenen Meinungen aber darf es darüber geben, dass der Weg der Freundschaft und gegenseitigen Unterstützung zwischen dem wie immer "alten" Europa und den USA unbeirrt weitergegangen werden muss. Todenhöfer hat gezeigt, dass dies trotz seiner Kritik an Bush selbstverständlich bleibt.</P><P>Ein anrührendes, überaus lesenswertes Buch, das Kontroversen auslösen muss. Der Leser kann dankbar sein, nicht die schwierigen Entscheidungen der Regierenden treffen zu müssen. Sollte es zu diesem Krieg kommen, den nur der irakische Diktator leichtfertig in Kauf nimmt, können sich Leser wie Autor mit den Worten des vor 200 Jahren vom frommen Dichter und Pastor Matthias Claudius gedichteten "Kriegsliedes" von Schuld freisprechen: "'s ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel, so wehre und rede du darein! 's ist leider Krieg - und ich begehre nicht schuld daran zu sein!" Präsidenten und Bundeskanzler haben dieses Glück nicht. Die Welt ist so eingerichtet, dass sie den Handelnden immer auch schuldig werden lässt.</P><P>Jürgen Todenhöfer: "Wer weint schon um Abdul und Tanaya?" <BR>Herder, 224 Seiten, 19,90 Euro</P><P align=left>DIRK IPPEN</P><P>Das Buch über unseren Partner amazon.de bestellen: <BR> Jürgen Todenhöfer: "Wer weint schon um Abdul und Tanaya?" </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle
Das wird ein Fest für Trash- und 90er-Fans. Gleich sechs Bands, die im Umz-umz-Zeitalter für Furore gesorgt hatten, treten beim Event „Die Mega 90er live!“ in der …
East 17, Rednex, 2 Unlimited und mehr: Mega-90er-Event in der Olympiahalle
Der neue Asterix kommt heute raus - leider fehlt etwas 
Fans dürften den Tag sehnsüchtig erwartet haben: Am Donnerstag kommt der neue Asterix-Band (Asterix in Italien) in den Handel. Wir haben schon darin geblättert - und …
Der neue Asterix kommt heute raus - leider fehlt etwas 
Nach Unfall: Jetzt muss Ed Sheeran etliche Konzerte absagen
Ed Sheeran (26, „Galway Girl“) muss nach seinem Fahrradunfall etliche Auftritte absagen. „Ein Besuch bei meinem Arzt hat Brüche in meinem rechten Handgelenk und linken …
Nach Unfall: Jetzt muss Ed Sheeran etliche Konzerte absagen
Gefeuerte Darsteller, Krach ums Geld: Wirbel um Roland-Kaiser-Musical
Deutschlands Schlagerstar Roland Kaiser selbst distanziert sich von dem Musical, das über ihn im Deutschen Theater in München aufgeführt werden soll. Es gibt Krach - und …
Gefeuerte Darsteller, Krach ums Geld: Wirbel um Roland-Kaiser-Musical

Kommentare