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Ausgezehrt vom Bürgerkrieg: ein hungerndes Kind in Äthiopien, aufgenommen im Jahr 2000.

Kriegswunden an Körper und Seele

Wo Bomben fallen, wird gestorben und gelitten – aber nicht nur dort: Abseits der Schlachtfelder gibt es auch Kriegsopfer. Eine neue Ausstellung gibt diesen Menschen Gesicht und Stimme. Sie macht deutlich: Krieg schlägt nicht nur am Körper Wunden – er zerfrisst auch die Seele.

Öffnungszeiten

Die Ausstellung „Abseits der Schlachtfelder“ ist bis 15. Oktober im Landtag zu sehen (montags bis donnerstags von 9 bis 16 Uhr, freitags von 9 bis 13 Uhr). Zugang über die Ostpforte. Der Eintritt ist kostenlos. Ausweis mitbringen.

Da steht das Kind, vor ihm ist Dürre, und sein Kopf sitzt viel zu groß auf dem kleinen, ausgemergelten Körper. Der Bürgerkrieg hat Äthiopien ausgezehrt, der Regen will nicht kommen. Das heißt: Hunger. Durst. Und Tod. Wenn Nahrung fehlt, sind die Kinder unter den ersten, die sterben. Keine 1,20 Meter sind viele Gräber hier lang. „Was kann es für einen Vater Schlimmeres geben, als sein eigenes Kind sterben zu sehen?“, fragt der Nomade Mohamed Barkadle aus Äthiopien.
Von den Kriegen, die ihr Leid verursachen, wissen die Kinder nichts. Oft sind die Kriege schon vorbei, wenn sie geboren werden. Manchmal finden sie ganz woanders statt. Und dennoch sind diese Kinder Kriegsopfer, denn sie leiden unter den Folgen von Kriegen. Gestorben und gelitten wird aber nicht nur im Kampf, sondern auch „abseits der Schlachtfelder“ – so heißt auch eine bewegende Ausstellung, die gestern im Landtag eröffnet worden ist.

Kriegsexperten: Autor und Fotograf Till Mayer (l.) sowie Vietnam-Veteran Barry Romo in den Ausstellungsräumen.

Der Fotograf und Autor Till Mayer hebt darin elf Kriegsopfer aus dem Nebel der Anonymität, der sie für gewöhnlich umgibt. Er gibt ihnen ein Gesicht und hält ihre Geschichten fest – mit eindringlichen Bildern und Texten, dargeboten auf zwölf mannshohen Leinwänden.
Der Betrachter lernt das Mädchen Mau Sauy aus Kambodscha kennen, das von einer Landmine verstümmelt wurde, als es 16 Jahre alt war. Oder den Iraker Ammar Yussef, der in Bagdad um seine toten Kinder weint. Oder den Deutschen Andreas Kerner, der seinen Vater schon als Bub an den Weltkrieg verloren hat. Heute, mit fast 80 Jahren, sagt er: „Mein Vater hat mir mein ganzes Leben lang gefehlt.“ Auch das will Till Mayer mit seiner Ausstellung zeigen: „Dass manchmal die Wunden am tiefsten gehen, die man nicht sieht. Krieg zerfrisst die Seele.“ Er schlägt nicht nur am Körper Wunden.

Barry Romo war als US-Soldat in Vietnam – und seit 40 Jahren sucht ihn nachts der Krieg heim. Sechs Menschen musste er im Krieg töten – und fragt jetzt: „Bin ich noch ein guter Mensch?“ Barry Romo reiste zur Eröffnung im Landtag aus den USA an – und hielt eine aufwühlende Rede über den Tod seines Neffen, der einst mit ihm in derselben Einheit diente.

"In mehr als 30 Staaten herrscht derzeit Krieg"

Stamm begrüßte es, dass die Ausstellung später an der Bundeswehr-Universität in Neubiberg und an mehr als 50 bayerischen Schulen gezeigt wird – also vielen jungen Menschen. 13 Jahre jung ist der von Mayer porträtierte Ibrahim Hamdan, ein palästinensischer Flüchtling, der im Rollstuhl sitzt. Und gerade er trotzt dem Krieg mit einem Lächeln. „Weil fröhlich sein ein bisschen Frieden ist.“

von Robert Arsenschek

Info

Das Buch zur Ausstellung

Begleitend zur Ausstellung ist auch ein Buch erschienen: Till Mayer, Abseits der Schlachtfelder, Erich Weiß Verlag, 68 Seiten, 46 Abbildungen, 10 Euro. Das Buch eignet sich auch für Schüler im Unterricht. Es kann über den Buchhandel bezogen werden, aber auch direkt beim Verlag (www.erich-weiss-verlag.de) bestellt werden.

Da unsere Zeitung Medienpartner der Ausstellung ist, liegt das Buch ab sofort auch in den Geschäftsstellen des Münchner Merkurs und seiner Heimatzeitungen aus. Der Journalist Till Mayer, 38, hat schon aus vielen Kriegs- und Katastrophengebieten berichtet. Er arbeitet eng mit dem Roten Halbmond und dem Roten Kreuz zusammen, das auch Partner dieser Ausstellung ist.

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