Krimi im Klassenzimmer

- Mit dem "Tatort Schule" hat er sich in die vorderste Reihe hiesiger Jugendliteratur geschrieben: der Schriftsteller Andreas Schlüter. Im Rahmen der Münchner Bücherschau liest der gebürtige Hamburger (44) heute im Münchner Gasteig (9 und 11 Uhr). Neben seiner sich höchst erfolgreich verkaufenden Reihe von Schulkrimis ist soeben sein literarisches Fehler-Plädoyer erschienen: "Mörfi - Falsch, falscher, fabelhaft!"

<P>"Tatort Schule" - hat Schlüter möglicherweise mit der Tatsache, dass der Schauplatz seiner Kinder-Krimis die Klassenzimmer sind, mörderische Exzesse, wie sie etwa in Erfurt geschehen sind, vorausgenommen, vorausgeahnt? Oder ist das Thema jetzt - nach Erfurt - nicht eher peinlich geworden? <BR><BR>Schlüter: "Nein, diese Bücher gehen mehr denn je. Beim ersten Roman dieser Art gab es so genannte Bedenkenträger, die fragten: Kann man das denn machen? Ich habe ihnen geantwortet: Natürlich, das ist doch die Realität, und damit ist es auch Thema für ein Jugendbuch. Nach den Ereignissen von Erfurt ist diese Kritik plötzlich verstummt." Und wenn jetzt noch Fragen kämen nach der Legitimität seiner "Tatorte", dann würden sie - aber das seien Einzelfälle - höchstens von Erwachsenen, von Lehrern gestellt. Die Kinder hätten längst begriffen, dass Bücher wie "Der Schnappschuss", "Lösegeld" oder "Abgezockt" ihren Alltag, ihre Gegenwart widerspiegeln. <BR><BR>Als Schriftsteller ist Andreas Schlüter ein Späteinsteiger. "Ich habe erst mit 35 angefangen zu schreiben. Man braucht doch eine gewisse Lebenserfahrung dazu." Bis dahin hat er als Journalist gearbeitet - beim Fernsehen. "Das war wunderbar, aber es hat mein Schreibbedürfnis nicht befriedigt. Also habe ich daran gedacht, vielleicht einmal ein Buch zu verfassen. Ein Sachbuch sollte es sein. Doch ich habe schnell gemerkt, dass ich von nichts genug verstehe. </P><P>Also blieb nur der Roman. Ich wollte eine Welt ohne Erwachsene erstehen lassen. Zielrichtung ist die Altersgruppe zehn bis 14. Da kenne ich mich am besten aus. Denn die Zeit etwa der sechsten und siebten Klasse habe ich noch sehr plastisch vor Augen. Ich weiß noch ganz genau, wie man sich in diesem Alter fühlt." <BR><BR>Mit seinem ersten Buch ist es Andreas Schlüter nicht sehr anders ergangen als den meisten seiner schreibenden Kollegen. Der Altberliner Verlag (Berlin und München) war der 34. Buchverlag, den er angeschrieben hatte und der ihn endlich genommen hat. Und der Computer-Krimi "Level 4", Schlüters Erstling, ist bis heute "mein erfolgreichstes Buch". <BR>Ob er auch eines Tages für Erwachsene schreiben wird? </P><P>Schlüter: "Irgendwann will ich es versuchen. Im Moment habe ich aber noch keine Zeit dazu. Ich hege keine Ambitionen auf den großen Schicksalsroman." Der wesentliche Unterschied zwischen den Autoren, die für Erwachsene, und jenen, die für Kinder schreiben, "besteht darin, dass die einen sich in ihren Büchern darum bemühen, ständig Fragen zu beantworten, und die anderen daran interessiert sind, Fragen zu stellen. Erwachsene wollen immer die Welt erklärt haben; Kinder wollen interessante Aspekte finden." <BR><BR>Eine Differenz, die er wohl überwinden muss, wenn er denn eines Tages für die ältere Generation "dichten" sollte. Bis dahin aber gilt für Andreas Schlüter die eher nüchterne, gar nicht "schöngeistige" Selbsteinschätzung: "Ich bezeichne mich nicht als Literat. Mir ist allein die Geschichte wichtig." <BR></P>

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