Krimi-Revue

- "Ich erinnere mich lieber auf meine Art", erklärt Fred Madison der Polizei. "So wie ich die Dinge im Kopf hab', nicht so wie sie passiert sind." Passiert sind die Dinge schon 1996 in David Lynchs Thriller "Lost Highway". Erinnert werden sie nun im Münchner Metropol-Theater als zweistündiges Gastspiel "Lost Highway Show".

Es steckt viel dahinter, sich, wenn überhaupt einen Film, dann ausgerechnet das großartige Mystery-Kino David Lynchs für eine Bühnenadaption auszusuchen: viel Kreativität und noch mehr Selbstvertrauen. Lynchs Filme sind Suchspiele mit der eigenen Fantasie. Sie bemühen sich nicht um Eindeutigkeit, Logik, sie spielen mit den Möglichkeiten der Illusion und bauen Illusion mit den Möglichkeiten des Films. Wo (und warum) will da das Theater nacheifern?Die Lösung kann nur eine Interpretation sein. So wie sich der Film im Kopf des Theaterregisseurs Michael Baran ereignet. Der lässt "Lost Highway" im wahrsten Sinne Revue passieren: Seine "Show", eine Produktion des Fördervereins "Don't Tell Mama", besitzt in vielen Momenten Nummerncharakter und beinhaltet Slapstick. Lynchs skurrile, doppellebige Typen werden zu Puppen und Automaten einer Jahrmarktsbühne, deren ausuferndes Leben man für kurze Momente in drei Kabinen bestaunen kann, die sich wie Fahrstühle aus einer anderen Welt öffnen und schließen.Aufwändig sind Bühne, Lichtkomposition und Soundtrack. Sie orientieren sich am Original und bieten doch ihr sehr eigenes Gruselambiente - mit theatralen Mitteln. So funktioniert auch das inhaltliche Konzept. Die Handlung bleibt die gleiche: Der eifersüchtige Saxophonspieler Fred Madison, des Mordes an seiner Frau angeklagt, erwartet in einer Zelle den Elektrischen Stuhl und verwandelt sich plötzlich in einen jungen Tontechniker (im Film ein Automechaniker) mit Parallelleben.Bei Baran und dem schwungvollen Ensemble wird das Unbegreifliche jedoch transparenter, geordnet und mit Schlussfolgerungen gefüllt. So kann die Bühnenfassung natürlich nicht mit dem nervenkitzelnden Vorbild mithalten. Ihr gelingt etwas anderes: eine neue, anziehende Krimi-Revue. Bis 18. September, Do.-So., jeweils 20 Uhr, Floriansmühlstr. 5, Info: 089/ 32 19 55 33.

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