Münchner Kammerspiele

Die Krise im Visier

Drei Uraufführungen und mehrere Premieren prägen das Ende der Intendanz von Frank Baumbauer an den Münchner Kammerspielen. Der 63-Jährige will am 25. Juli seinen Schreibtisch räumen. Bis dahin setzt sich sein Theater auch mit der aktuellen Wirtschafts- und Finanzkrise auseinander.

Er sagt: „Das Frühjahr wird heftig.“ Pause. Dann grinst er und fügt hinzu – „positiv meine ich das“. Frank Baumbaurer ist zufrieden und offenbar voller Vorfreude. Zufrieden, denn sein Haus steht gut da. Bis Ende Dezember haben die Kammerspiele 8000 Zuschauer mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres gezählt; Abonnement und Theatercard (die wie eine Bahncard funktioniert: fixer Grundpreis, ermäßigter Eintritt) kommen bei den Zuschauern gut an; ebenso das neue Angebot, Karten platzgenau im Internet zu kaufen (wir berichteten).

Auch der Grund für die Vorfreude, die den Kammerspiele-Chef dieser Tage offensichtlich umtreibt, ist rasch gefunden: Für die zweite Hälfte der Spielzeit 2008/09 stehen Uraufführungen und Premieren an, die experimentell klingen, spannend werden könnten – und sehr oft zeitbezogen sind. Zum Beispiel in der Uraufführung von Jörg Albrechts Stück „Lass mich dein Leben leben/Dirty Control 2“, dessen Grundlage die zunehmende Video-Überwachung im öffentlichen Raumes ist. Als „markanten Punkt“ des Spielzeit-Mottos „Geschieht dir Recht“ bezeichnet Baumbauer auch die Inszenierung von Shakespeares „Maß für Maß“, die am Samstag Premiere hat. Dass sich das Theater an der Maximilianstraße auch mit der aktuellen Finanzkrise auseinandersetzen wird, versteht sich da schon fast von selbst – nicht nur, weil Peter Licht, der ein „Festival vom unsichtbaren Menschen“ kuratiert, eine seiner Platten „Lieder vom Ende des Kapitalismus“ nannte. Da diese CD bereits 2006 erschien, wird der Musiker nun in den Kammerspielen schmunzelnd „Prophet“ genannt. Wirtschaftlich harte Zeiten thematisiert zudem Hans Fallada in seinem Roman „Kleiner Mann, was nun?“, der gerade in eine Bühnenfassung umgearbeitet wird. Luk Percevals Inszenierung ersetzt seine zunächst angekündigte Produktion von Kleists „Das Käthchen von Heilbronn“.

Das Fallada-Stück wird die letzte Premiere im Schauspielhaus der Intendanz Baumbauer sein. Der hat sich für den letzten Spieltag am 24. Juli übrigens „Othello“ gewünscht. Mit Percevals Inszenierung der deftigen Neuübersetzung des Shakespeare-Stücks, die Feridun Zaimoglu besorgte, wurde 2003 das Schauspielhaus nach der Renovierung wiedereröffnet. Der 25. Juli ist für Baumbauer, der seit 2001 Kammerspiele-Chef ist, dann der letzte Arbeitstag: „Danach geh ich erst mal nach Hause“, antwortet er auf die Frage nach seiner Zukunft.

Im Sommer 2010 übernimmt der niederländische Theatermacher Johan Simons die Intendanz der städtischen Bühne. Bis dahin leitet das Direktorium das Haus; man wolle „Weiterforschen in eine Richtung, die in diesem Team mit Frank Baumbauer eingeschlagen wurde“, sagt Chefdramaturgin Julia Lochte. Baumbauer erklärt, dass ihn zwar Angebote für Nachfolge-Jobs erreicht, er aber nicht zugesagt habe: „Ich genieße es sehr, die Kammerspiele bis Sommer zu leiten, ohne bereits ein anderes Projekt vorbereiten zu müssen.“ Und das merkt man auch.

von Michael Schleicher

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