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Außerordentliches Sängerinnen-Paar: Evelyn Herlitzius als Elektra (li.) und Waltraud Meier als deren Mutter Klytämnestra.

Bayerische Staatsoper

Elektra bei den Opernfestspielen: Vom Dirigenten gequält

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München - Bei den Münchner Opernfestspielen gibt es Ovationen für Evelyn Herlitzius als Elektra.

Möglicherweise haben sie hinter den Kulissen über Gemeinsames geratscht. Die legendärste Isolde unserer Zeit, die einst in Bayreuth die Rolle erstmals gewagt und sich gerade von ihr verabschiedet hat, und die Überraschungs-Isolde des Jahres, die kommende Woche bei der dortigen Premiere einspringt. Was wohl Waltraud Meier mit Evelyn Herlitzius besprochen hat? Vielleicht die Sache mit den Dirigenten. Wie sie einem oft keine Chance lassen, einen niederkartätschen und mit Lautstärke erledigen.

So wie Asher Fisch bei dieser Münchner Festspiel-„Elektra“, die bis auf eine Position, dummerweise bis auf die am Pult, mit dem Bestmöglichen aufwartet. Herlitzius, mit Standing Ovations für ihre Lebensrolle gefeiert, überwältigt, weil sie Gegensätzliches verbindet: Da ist diese Unbedingtheit in Spiel und Gesang, die enorme, sich (nur scheinbar) selbstentäußernde Intensität. Und da ist zugleich die vokale Kontrolle, die sie (fast) nie Grenzen übertreten lässt. Dass sie die Strauss-Partie schon optimaler gesungen hat, mehr auf Linie, in vielen Passagen heruntergedimmter, etwa unter Thielemann in Dresden, das mag am Bayreuther Zusatzstress liegen – oder eben am Dirigenten.

Waltraud Meier als so menschliche, mitleiderregend zerrissene Klytämnestra, war da konsequenter: Sie zog ihr Konzept durch. Auch für Adrianne Pieczonka, als Chrysothemis mit üppig aufblühender Lyrik ein aparter Gegenentwurf zur Titelheldin, hätte man sich bessere Rahmenbedingungen gewünscht. Dunkler, beunruhigender als bei vielen Kollegen kam der Orest von Günther Groissböck über die Rampe. Und dass für die Mini-Rollen der Mägde Edel-Sopranistinnen wie Eri Nakamura oder Golda Schultz aufgeboten wurden, kann sich nur diese Staatsoper im Festspielmodus leisten. Herbert Wernickes Inszenierung, seit langem von Bettina Göschl kundig betreut, entfaltet noch immer archaische Kraft – es dürfte übrigens die letzte sein, die hier ohne Übertitel läuft.

Ovationen, die sich parallel zu den Hitzegraden draußen bewegten, Asher Fisch bekam einige Buhs. Gerade ein musikalisch so selbstbewusstes Haus wie das Münchner sollte über grobmotorische Repertoirebetreuer hinaus sein.

Markus Thiel 

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