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Radio ist wie Radlfahren, das verlernt man nicht: Bei der Technik ließ sich Thomas Gottschalk helfen, ansonsten war der 62-Jährige sofort wieder dahoam – und sorgte bei den Ü 40-Hörern für Gänsehaut.

In seinem Element

So war Gottschalks Radio-Comeback

München - Thomas Gottschalk Rückkehr zu Bayern 3: Man merkt, da ist einer in seinem Element. Der Showmaster sagt: „Ich habe noch Musik für einen Abend mehr." Die Kritik:

Man musste sich Sorgen machen um Thomas Gottschalk in den vergangenen Monaten. Der nicht mehr ganz so große Blonde irrlichterte durch die Sender, scheiterte – wie jeder andere auch – im ARD-Vorabend und landete schließlich ganz tief im Elend, an Dieter Bohlens Jurytisch für Fremdschäm-„Supertalente“. Kann er’s überhaupt noch, mit 62?

Seit Sonntag wissen wir: Thommy kann es noch! Mehr als 32 Jahre nach seinem letzten „Pop nach acht“ an Silvester 1980 stand Thomas Gottschalk wieder um 20 Uhr hinter dem Bayern-3-Mikro und legte bei seinem Comeback zwei Stunden lang eine hinreißende Show hin. Wieder dahoam, in seiner Melodie – Radio kann er, der Thomas. Radio ist wie Radlfahren, das verlernt man nicht. Und für einen Abend bekam das Düdel-Radio wieder Relevanz, so wie früher, als Gottschalk mit Slade und Status Quo (Auf gut Bairisch: „Schtattus“) den Musikgeschmack einer Generation prägte.

Wichtigste Nachricht von „Pop nach acht reloaded“, dem „Bayern 3-Kultabend“: Er quasselt immer noch in jeden Song rein – gut, dass niemand mehr mitschneidet im MP3-Zeitalter. Und er liefert immer noch den Soundtrack des Wahnsinns. Wenn Gottschalk Queen auflegt, spielt er gottlob nicht „We Are The Champions“, sondern das japanische Irrsinnsteil „Teo Torriatte“, das kaum ein Mensch zuvor gehört hat. „Ich mache, was ich immer gemacht habe – ich zwinge fremde Menschen, die Musik zu hören, die ich gerade hören möchte“, verriet Thommy höchst amüsiert. Und er staunte zusammen mit Fritz Egner und „Mr. Music“, Jürgen „Atze“ Herrmann, die er zum „Kameradschaftsabend“ ins Studio eingeladen hatte: „Es gibt immer noch Menschen, die uns ernst nehmen.“

Wunderbare Geschichten erzählte Gottschalk, zum Beispiel über seine Ex-Flamme Slava, mit der er im BMW 600 durch die Welt schaukelte, und über seinen einstigen Stammhörer Edmund Stoiber: „Der Stoiber hat damals studiert, und ich hab Radio gemacht. Und jetzt ist er pensioniert, und ich mach immer noch Radio.“ Selbstironie, manchmal auch ein wenig melancholisch, war eh angesagt beim Bayern-3-Comeback. „Mein Weg vom Supertalent zurück ins Radio – From Hell To Paradise“, ulkte Gottschalk. Und zu „When We Was Fab“ des seligen George Harrison fiel ihm ein: „Das war die Zeit, als ich noch ein ganz Großer war.“ Am Sonntagabend war Thomas Gottschalk jedenfalls noch einmal ein Großer im Radio – launig und schlagfertig wie seit Jahren im „Wetten, dass...?“-Korsett nicht mehr, ganz bei sich und in seinem Element.

Das sind die beliebtesten Showmaster

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Vielleicht der Höhepunkt, um kurz nach neun, als der Pelikan wieder tanzte. Gottschalk spielte sein Lied. Unser Lied. Der „Pelican Dance“, die legendäre „Pop nach acht“-Titelmusik von The Baronet, sorgte für Gänsehaut bei allen Ü 40-Radiofans. Und es gibt zumindest Hoffnung auf weitere Einsätze von Thommy und seinem Pelikan.

„Die Zeit, als ich einen eigenen Tiefgaragenplatz im BR hatte und mit Jürgen Herrmann gemeinsam in einem Büro Pfeife geraucht habe, das war auch die glücklichste Zeit meines Lebens“ schwärmte Gottschalk und erkundigte sich bei seinen beiden Weggefährten: „Ich habe noch Musik für einen Abend mehr. Wie ist das mit Eurem Kultabend am Sonntag, kann man sich da noch anmelden?“ Antwort: Aber klar, Thommy! Denn eigentlich hat sich nichts geändert seit den Siebzigern, wie Hörer Hans mailte: „Heino ist an Nummer 1, und Gottschalk macht Radio.“ Zumindest Letzteres ist eine großartige Nachricht.

Jörg Heinrich

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