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Bereit für eine bessere Welt: Julia Stemberger als Johanna.

Kritik:

Honeggers "Johanna" in der Alten Kongresshalle

München - Hier lesen Sie die Kritik zur Inszenierung von "Johanna auf dem Scheiterhaufen" in der Alten Kongresshalle in München.

Nicht nur mit der Konzeption hat sich Arthur Honegger zwischen alle Stühle gesetzt. Weder Oper noch Oratorium, weder Handlung noch Manifest ist seine „Johanna auf dem Scheiterhaufen“. Aber auch in der Haltung zu dieser Geschichte schwankte der Schweizer, als er 1938, 18 Jahre nach der Heiligsprechung der Lothringerin, seinen 80-Minüter herausbrachte. Weniger Erhebung der Titelheldin sind ja die ersten beiden Drittel, eher Erniedrigung ihrer Widersacher. Eine dunkle Satire, in der ein Schwein über Johanna richtet und der König in einem burlesken Marsch nach Reims zieht, bevor das Stück in die Verklärung, ja auch in den Kitsch einbiegt.

Und wie das alles auf die Bühne bringen? Es ist im Grunde die akzeptabelste Lösung, die das Gärtnerplatz-Team bietet. Auf seiner Wanderung durch Münchner Exilspielstätten ist man nun, für die vierte Großproduktion der Saison, in der Alten Kongresshalle auf der Theresienhöhe angekommen. Ein gedrungener Saal mit Furnierholzcharme, dessen trockene, direkte Akustik einem die Musik auf den Leib rücken lässt. „Halbszenisch“ war das mal angekündigt, „konzertant“ ist es unterm Strich. In klassischer Oratorien-Aufstellung, allerdings flankiert von weißen Wänden und vor einem ebensolchen Hintergrund. All das erglüht, je nach Atmosphäre, in wechselnden Farben, erzeugt vom legendären Licht-Meister Max Keller.

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Am Ende, wenn Flammen züngeln sollen, dann glimmt auch das Kettenhemdkleid Johannas in Gelb-Rot. Und dann wagt auch Julia Stemberger eine zweite Pose, breitet die Arme aus, glücklich, ergeben, um in die andere, bessere Welt hinüberzukommen. Eine Statue, ein Monument war sie zuvor. Während der gesamten Aufführung steht die Schauspielerin an der Rampe. Unerschütterlichkeit strahlt die Johanna der Stemberger aus, eine streng gefasste Emphase. Als Einzige kommt sie in diesem Sing-Sprech-Opus ohne Klavierauszug aus. Was ihr größere Freiheit ermöglicht, auch eine größere Dringlichkeit der Deklamation. Und klar wird, dass sich diese Johanna automatisch Feinde macht. Nicht nur ihrer Lehre wegen, sondern auch, weil sie es wagt, stärker als die Männer sein zu wollen.

Ganz folgerichtig ist Bruder Dominik hier nicht gütiger Partner. Ein gefährlicher, leicht erregbarer Kirchenmann: Ihn, der Johanna ihr Buch des Lebens vorhält und sie zu Rückblenden zwingt, spricht Michael von Au als Cousin Mephistos. Eine imponierende Besetzung wurde also für diese Produktion aufgeboten, mit der man sich fern des Normalrepertoires bewegt. Jan Nikolaus Cerha, Jens Schnarre, Holger Ohlmann, vor allem der höhenstarke Ferdinand von Bothmer lassen jenen Zynismus hören, mit dem sich die Männerwelt zu wehren versucht. Ann-Katrin Naidu, Snejinka Avramova, Angelika Sedlmeier und Elaine Ortiz Arandes als dramatische Marien-Erscheinung ergänzen das ebenso eindrücklich.

Dem sehr präsenten, klanglich gut strukturierten Chor (Einstudierung: Jörn Hinnerk Andresen), dem unerschrockenen Kinderchor und dem Gärtnerplatz-Orchester ist anzuhören, wie man es genießt, einmal Hauptsache zu sein. Chefdirigent Marco Comin überhitzt die Partitur nicht. Ein ruhiger Steuermann, der sich nicht von Honeggers überreicher Musik verführen lässt, in der das Ondes Martenot (ein Synthesizer-Vorläufer) aufjaulen darf und auch Jazziges hereinweht. Nur zweimal, als Johanna die Liebe feiert und im Finale die Klangflammen lodern, da lässt der genau disponierende Comin die Zügel los. Honegger in einer hochspannenden, angemessenen Deutung – eine Kraftanstrengung, die sich für das Haus mehr als gelohnt hat.

Weitere Aufführungen:

15., 16., 18., 19. Dezember

Telefon 089/ 2185-1960.

Von Markus Thiel

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