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Florian Hertweck macht als Dylan eine gute Figur.

Deutsches Theater

Hat was von Volkshochschule: Kritik zum Dylan-Musical

München - Es hat ein bisschen was von Volkshochschule - Einführung in Dylan für Anfänger mit Vorkenntnissen: die Kritik zum Musical "Dylan".

Ergebene Verehrer von Bob Dylan sind hier eher falsch – von den fanatischen Jüngern ganz zu schweigen. Menschen wiederum, die gar nichts über Bob Dylan wissen, werden Schwierigkeiten haben zu folgen. Bliebe die Frage: für wen genau ist das Musical Dylan gedacht, das im Deutschen Theater seine Münchner Premiere feierte? Es hat ein bisschen was von Volkshochschule: Einführung in Dylan für Anfänger mit Vorkenntnissen.

Ein Erzähler führt durchden langen Abend und zeichnet den Weg des Landeis Robert Allen Zimmerman zum einflussreichsten Künstler der populären Musik nach. Vorbilder, Plattenverträge, Frauen, Scheidungen, religiöse Seitenwechsel, Drogen- und Alkoholprobleme. Immer schön chronologisch und mit kurzen Exkursen zum historischen Kontext. Natürlich mit dem fluffigen Witz, den man von Schulaufführungen kennt und der einen immer mal wieder daran erinnert, dass Humor Glückssache sein kann. Man kann sich über jeden und alles lustig machen und ohne Ironie kann man sich dem mythologisch überladenen Dylan-Kosmos ohnehin nicht nähern. Es muss halt konsequent sein. Aber dafür ist die Heldenverehrung der Macher zu groß. Dylan bleibt eine Ikone, dafür gibt es ziemlich abgeschmackte Scherze über Zeitgenossen. Beispielsweise wenn Martin Luther King im Augenblick seiner Ermordung ausruft „I had a Dream“ oder wenn Elvis’ Tod als gespielter Witz dargeboten wird. Die Absicht der sarkastischen Brechung ist schon erkennbar, aber das alleine reicht halt nicht.

Ausdrücklich in Schutz genommen sei das Ensemble, das mit Musikalität, Spielfreude und echter Bühnenpräsenz überzeugt, allen voran Florian Hertweck, der seinen Dylan mit der richtigen Mischung aus Schnoddrigkeit, Charisma und Unnahbarkeit anlegt. Und der vor allem gar nicht erst versucht wie Dylan zu singen, weil das albern wäre. Selbst den außerordentlich undankbaren Part des Erzählers meistert Hagen von der Lieth mit beachtlicher Verve, auch wenn ihn die Regie mehr als einmal im Stich lässt.

Musikalisch laviert der Abend von exzellent bis unanhörbar. Den Meilenstein Like a Rolling Stone so zu arrangieren, dass er frisch und unverbraucht klingt, ist keine geringe Leistung und obskure Stücke wie Sara oder Nettie More sind berückend schön interpretiert. Zwischendrin kommt es dann aber zu totalen Aussetzern. All Along The Watchtower ist eine einzige Zumutung. Schon klar, hier soll der enthemmte psychedelische Zeitgeist akustisch illustriert werden, aber wenn man sich so gebärdet wie Jimi Hendrix an der Gitarre, sollte man halbwegs so klingen können. In Wahrheit erinnert das eher an eine Grillparty, bei der Vatis ehemalige Schülerband den Jungspunden mal zeigen will, was eine Rockharke ist und furchtbaren Radau veranstaltet.

Noch schlimmer wird es bei Knockin' On Heaven’s Door, das man an sich unzerstörbar wähnte. Nach einem ebenso abstrusen wie zähen Gitarrensolo ist man eines Besseren belehrt: jedes Lied kann ruiniert werden. Immerhin, mit der letzten Viertelstunde, die wirklich gelungen ist, versöhnt Dylan ein wenig, aber das ist in der Abwägung mit einer Spielzeit von fast drei Stunden dann doch ziemlich wenig. Dem Publikum, dem Teil jedenfalls, der aus der Pause zurückgekehrt war, hat es gefallen, alles andere wird den Machern egal sein und Dylan … mein Gott, der hat schon anderes überlebt.

Zoran Gojic

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