Ein kritischer Freund

- Der amerikanische Historiker Gordon Alexander Craig, ein Experte für deutsche Geschichte, ist am Wochenende im Alter von 91 Jahren in einem kalifornischen Altersheim gestorben. Craig galt als kritischer Freund der Deutschen und intimer Kenner ihrer Geschichte. Große Anerkennung fand seine Gesamtdarstellung des deutschen Nationalstaates mit dem Titel "Deutsche Geschichte 1866-1945". In "The Germans" ("Über die Deutschen") versuchte er einer amerikanischen Leserschaft zu erklären, wie ein und dasselbe Volk große Kultur- und Zivilisationsleistungen, aber auch Hitler hervorbringen konnte.

Immer wieder wandte er sich gegen die vor allem in Amerika weit verbreitete Vorstellung, Militarismus und eine Vorliebe für autoritäre Herrscher lägen den Deutschen im Blut. Gleichzeitig kritisierte er Bestrebungen deutscher Historiker, den Nationalsozialismus lediglich als "Betriebsunfall" der deutschen Geschichte zu werten.

Craig war davon überzeugt, dass schon die Gründung des deutschen Kaiserreichs ein Unglücksfall war und die preußische Armee schon lange zuvor eine verhängnisvolle Rolle spielte. Auf Forderungen deutscher Politiker nach einem "neuen Patriotismus" reagierte er skeptisch, betonte aber immer, der Aufbau einer stabilen Demokratie könne die Deutschen stolz machen und habe ihnen im Ausland großen Respekt eingebracht.

Craig wurde 1913 in Glasgow geboren, wanderte als Kind mit seinem Vater in die USA aus und wurde US-Staatsbürger. 1935 kam er als Stipendiat nach Deutschland und erlebte dort die Phase, in der Hitler seine Machtposition endgültig zementiert hatte. Nach diesem Besuch ließ ihn Deutschland nie mehr los.

Sein Durchbruch als international beachteter Historiker kam 1955 mit der Studie "Die preußisch-deutsche Armee 1640-1945". Gordon Craig war nicht nur ein Kenner der deutschen Geschichte, sondern auch der deutschen Literatur und selbst ein großer Erzähler, der jede Fachsprache zu vermeiden wusste.

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