In der Bar zum Krokodil

- So ganz passen die Propyläen ja nicht nach Ägypten, aber schließlich ist das bei der Arena von Verona nicht anders, und doch ist Verdis "Aida" dort die meistgespielte Oper. Eine "Deutsche Festspieloper" führte das Werk nun auf dem Königsplatz auf und sparte sich so eine Menge Bühnenarchitektur. Dass auch sonst quantitativ und qualitativ gespart wurde, war nicht lang zu verbergen.

<P>Dem Orchester fehlte es an Fülle (bei durchaus akzeptablen Einzelheiten, beispielsweise im Holz), leider auch an adäquater Aussteuerung; nur die Sänger wussten Mikrofone und Verstärkung anzuwenden. Die Bühnenmusik fiel gleich ganz weg - einschließlich der Aida-Trompeten beim Triumphmarsch. Und das Ballett war auf zwei Tempeltänzerinnen reduziert, die ihre Sache zwar gut machten, aber doch ein bisschen an die sündhafte "Bar zum Krokodil" erinnerten, die ja auch in Theben gestanden haben soll. Im vierten Bild gab es dann nur vier Gefangene zu befreien.</P><P><BR>Natürlich liegen bei einer Open-Air-Oper Showelemente nahe. Radames, der Sieger, ritt auf einem Elefanten einmal von rechts unten nach links unten. Als Sänger war Ernesto Grisales durchaus zu akzeptieren, er hätte gelegentliches Stemmen nicht nötig gehabt. Am ausgeglichensten Dany Deril in der Titelrolle; Roberta Matteli sang mit schöner Stimme und viel Tremolo die Amneris. Dass sie allesamt - auch Andres Marinowski als König mit rauem Forte oder Alfio Grasso als Amonasro, dessen Altersverhältnis zu seiner Tochter Aida nicht stimmen konnte - Phrasierungen und Intonation nicht immer genau nahmen, war nicht zu überhören.</P><P><BR>Leo Santini dirigierte sein "Orchester der Deutschen Festspieloper" mit großen Gesten über vieles hinweg. Nach dem effektvoll (unter Assistenz des Mondes) ausgeleuchteten Schlussbild verebbte der Beifall rasch.<BR><BR></P>

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