Krone für Frankreich

- Bühne frei für die Stars von morgen heißt es im Schloss Nymphenburg, wo man derzeit noch einmal den jüngsten Musikwettbewerb der ARD Revue passieren lässt. Für vier Konzerte hat Christoph Poppen die Preisträger von 2004 zum gemeinsamen Musizieren geladen. Poppen trat, neben seiner Funktion als künstlerischer Leiter des Wettbewerbs, für Mozarts Flötenquartett KV 711 auch selbst zu den jungen Solisten aufs Podium.

<P>Der Bogen des Eröffnungsabends spannte sich von Claude Debussy, dessen Sonate in F-Dur zum Abschluss des Kammermusikfestes mit verändertem Solisten-Trio nochmals auf dem Programm steht, bis Mozart. Die zeitgenössische Musik kam mit Heinz Holligers Partita für Harfe zu ihrem Recht, hier interpretiert von Anton Sie, dem es gelang, auch diesem nur auf den ersten Blick schwer zugänglichen Werk zarte Zwischentöne abzugewinnen.<BR><BR>Die Krone des Abends gebührte aber dem Quatuor Ébène. Seit nunmehr sechs Jahren musizieren Pierre Colombet, Gabriel Le Magadure, Mathieu Herzog und Raphael Merlin zusammen und wurden in dieser Zeit bereits mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet, so jüngst mit dem Belmont-Preis für zeitgenössische Musik.<BR><BR>Dass sie auch im klassischen Repertoire eine überaus gute Figur machen, bewiesen die vier Franzosen mit ihrer feinfühligen wie spannungsgeladenen Interpretation von Mozarts c-moll-Streichquintett KV 406, bei dem sie von Ryszard Groblewski (Viola) unterstützt wurden. Was das Quatuor Ébène hier bot war virtuoses Ensemblespiel auf höchstem Niveau. Man versteht es, gemeinsam zu atmen und aufeinander zu hören. Mit großer Liebe zum Detail werden feinste Nuancen zum Klingen gebracht, ohne den großen Bogen aus den Augen zu verlieren.<BR><BR>Angesichts einer solchen Entdeckung stimmt es nachdenklich, dass auch beim traditionsreichen ARD-Wettbewerb in Zukunft der Rotstift angesetzt werden soll. Christoph Poppen und den jungen Musikern - vor allem aber dem Publikum - ist zu wünschen, dass sich die Verantwortlichen noch einmal anders besinnen.<BR></P><P>Konzerte des Kammermusikfests noch heute und morgen, jeweils 19 Uhr.</P><P> </P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Im Reich von Mode und Magie
Zürich - Spätestens seit dem Terroristen-Epos „Carlos“ ist der französische Filmemacher Olivier Assayas auch deutschen Kinofans ein Begriff. Sein preisgekröntes Drama …
Im Reich von Mode und Magie
Mordmotor mit Unwucht
Andreas Kriegenburg inszenierte William Shakespeares „Macbeth“ fürs Münchner Residenztheater
Mordmotor mit Unwucht
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
München - Hansi Kraus ist der ewige Lausbub - auch, weil er diesen in Ludwig Thomas Lausbubengeschichten verkörpert. Im Interview spricht Kraus auch über die …
Hansi Kraus im Interview: „Wurde von meiner Familie betrogen“
Stapellauf fürs Themenfrachtschiff
Hamburg - Jörg Widmanns monumentales und mehrheitsfähiges Oratorium „Arche“ ist eine Maßanfertigung für die Hamburger Elbphilharmonie. Die Konzertkritik.
Stapellauf fürs Themenfrachtschiff

Kommentare