Kühe und Carpendale

- Nicht immer verrät der Name einer (Comedy-)Truppe etwas darüber, was das Publikum zu erwarten hat. Aber wenn sich fünf erwachsene Männer schon "U-Bahn-Kontrollöre in tiefgefrorenen Frauenkleidern" nennen, lässt das durchaus Rückschlüsse auf die Inhalte ihres Programms zu. Es gibt nämlich - keine. Nichts, aus dem sich irgendeine Botschaft destillieren oder gar ein "roter Faden" flechten ließe. Verlässlich ist an diesem Abend im Münchner Lustspielhaus nur die Qualität des Gesangs. Und die ist phänomenal. A cappella de luxe.

<P>Trash as trash can scheint sich das Quintett aus Frankfurt am Main ansonsten vorgenommen zu haben - und so bricht sich in "Ohne Fahrschein" der Blödsinn unaufhaltsam Bahn. Mönche, die sich in Kühe verwandeln, Figuren, die Howard Carpendale oder Reinhard Mey sein könnten - oder auch nicht. Musikalische, nun ja, Parodien, in denen aus dem "Beatles"-Titel "Get Back" ein absurdes "Gepäck" wird. Alles geht bei diesen Jungs, nichts ist unmöglich, auch nicht die jähe Verwandlung zweier russischer Matkas in das Duo "Tatu" ("All The Things You Said").<BR><BR>Nur bei den musikalischen Arrangements überlassen Harald Bannoehr, Oliver Hartstack, Matthias Keller, Sebastian Rajkovic und Filippo Tiberia nichts, aber auch gar nichts dem Zufall. Perfekte Sätze, satter Sound, das Ganze in einem fast schmerzhaften Kontrast zum aberwitzigen Aufzug der fünf Burschen stehend. Man fühlt sich hin und wieder - in öligen Nonsensnummern wie "Es ist egal, was Du bist, Hauptsache Du bist glücklich" - an die "Prinzen" erinnert, aber auch "Queen" ("Bohemian Rhapsody") haben die Kontrollöre drauf.<BR><BR>Eine singuläre Performance aus Klamauk und Klang. Im Herbst kommen sie in die Muffathalle. Wohl dem, der dann ein gültiges Ticket hat.</P><P> </P>

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