Kühler Virtuose

- Mit den drei Klaviersonaten op. 10 und der Sonate op. 13 hat Andrá´s Schiff im Herkulessaal seinen Beethoven-Zyklus fortgesetzt. Die Abende des vielfach ausgezeichneten, 51-jährigen Ungarn sind legendär, zumindest wenn es um Bach und Schubert geht. In deren Werk vermag er sich mit Innerlichkeit zu versenken, die jedem Zuhörer andächtiges Lauschen abverlangt.

<P>Aber welche Klänge verlangen Beethovens Klaviersonaten? Auf diese Frage antwortet Schiff im Programmheft: "Aber vielleicht ,passt Beethoven besser zur zeitgenössischen Musik als etwa Mozart oder Chopin, weil er seinerseits mehr Bildhauer als Maler ist - die Ecken und Kanten treten scharf hervor und müssen auch so vernehmlich sein."</P><P>Diese Aussage hat der Weltklassepianist denn auch während seines Münchner Konzerts allzu ernst genommen. Schiff spielte die Sonaten teils auf einem Steinway (Sonate Nr.1 op. 10 und Sonate op. 13) und auf einem Bechstein (Sonaten Nr. 2 und 3 aus op. 10). Ohne Fehl und Tadel war dabei sein Spiel, faszinierend seine Fingerfertigkeit, seine glasklare und feinsinnig perlende Anschlagskultur. Und doch präsentierte er vor allem die Sonaten aus op. 10 mit einer merkwürdig unterkühlten Virtuosität.</P><P>Technisch brillant, mit schnörkellosen Vorhalten und Trillern, fast schon messerscharf sezierend setzte er die gewichtigen Akkorde beispielsweise im Largo von op. 10, Nr. 3. Andrá´s Schiff schien hier nur für sich zu musizieren und zelebrierte ein geradliniges Spiel, das allerdings wenig berührte und dem trotz mancher lyrischer Momente leider die Seele fehlte.</P><P>Eingehender gestaltete er schließlich die Sonate in c-moll op. 13 ("Pathé´tique"). Mit wesentlich mehr Wärme gelang ihm im ersten Satz die kontrastreiche Ausgestaltung des pathetischen Gestus. In wunderbarer Cantabile-Manier spielte Schiff das Adagio und schloss im Rondo dynamisch-eruptiv.</P>

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