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Yannick Nézet-Séguin probt mit dem BR-Symphonieorchester im Herkulessaal.

Interview zum BR-Konzert

Yannick Nézet-Séguin: "Jetzt sind wir reif für Bruckner"

Der künftige Chefdirigent der Met über seine New Yorker Pläne und sein Gastspiel beim BR-Symphonieorchester

Für Schlagzeilen sorgte Yannick Nézet-Séguin (41) jüngst durch seine Berufung zum Generalmusikdirektor der Metropolitan Opera in New York. Das Münchner Publikum hat aktuell die Gelegenheit, den gefragten Kanadier erneut mit dem BR-Symphonieorchester zu erleben. In dieser Woche tritt er unter anderem für Bruckners Siebte ans Pult.

Mit Chefpositionen bei drei Orchestern und dem Festivalsommer vor der Tür scheint Ihr Kalender derzeit bestens gefüllt. Demnächst auch noch New York. Wie bringt man das alles unter einen Hut?

Ich versuche, eine Balance zwischen Oper und Konzert zu halten, was nicht immer ganz einfach ist. Allein schon, weil Oper mehr Zeit benötigt. Da ist man gleich für sechs Wochen gebunden, während ein Konzert nur etwa eine Woche in Anspruch nimmt. Nach Salzburg geht es dann aber endlich in den Urlaub nach Italien. Da war ich zwar gerade erst auf Tournee mit den Berliner Philharmonikern, aber jetzt ist es eben mal nicht wegen des Jobs.

Ein Sommer ganz ohne Musik?

Nein. Ich habe eigentlich immer irgendwelche Noten dabei, aber im Herbst stehen für mich erst einmal nicht so viele komplett neue Stücke im Kalender. Also kann ich es etwas ruhiger angehen lassen.

Die Met wird ab 2020/2021 Ihre erste Chefposition an einem Opernhaus sein. Welche neuen Herausforderungen stellen sich dadurch?

Zuerst einmal betrifft es die Rolle des Orchesters innerhalb des Hauses. Mit geht es vor allem darum, dass die Musik im Zentrum bleibt. Ich bin immer offen für neue Regieideen und für einen Dialog zwischen allen Beteiligten, aber ich sehe mich auch ein bisschen als Bewahrer. Ich übernehme dort ein großartiges Orchester, dessen Tradition ich mit Stolz weiterführen will. Die Met ist durch ihre Liveübertragungen in der ganzen Welt präsent. Ich möchte jedoch, dass es auch und vor allem das Opernhaus der New Yorker bleibt und wir das Live-Erlebnis zu schätzen wissen.

Sie sind auf beiden Seiten des Atlantiks aktiv. Gibt es Unterschiede beim Publikum?

Ich würde das weniger auf Kontinente als auf Städte beziehen. Nur weil etwas in Rotterdam oder Montreal funktioniert hat, kann ich das nicht eins zu eins übertragen. In Philadelphia sind die Musiker fast so etwas wie die Stars eines Football-Teams, auf die man stolz ist. Wenn ich nach München komme, empfinde ich dagegen oft beinahe schon so etwas wie eine spirituelle Atmosphäre im Konzert und großen Respekt vor der Musik.

Mit Bruckner haben Sie diesmal einen Komponisten ausgewählt, zu dessen Werken man gerade in München eine besondere Beziehung hat.

Umso größer ist die Ehre, dass ich das machen darf. Ich liebe das BR-Symphonieorchester. Bruckner kommt in unserer Beziehung jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt. Wir kennen uns inzwischen sehr gut. Da wird keiner fragen, was dieser Kanadier da mit Bruckner anstellt. Zumindest nicht im Orchester. Wir werden sehen, was das Publikum meint. Bruckners Musik empfinde ich als sehr tiefgründig, nicht weil sie so komplex wäre, sondern weil sie unglaublich bedeutungsvoll ist.

Ihr Twitter-Account beschreibt Sie als „Globe-trotter, loves cats + people, father of Rotterdam Phil, Philadelphia Orchestra, Orchestre Metropolitain Montreal and new football fan!“. Da kommt einiges zusammen.

Ja! (Lacht.) Ich bin erst in Rotterdam so richtig zum Fußballfan geworden. Lustigerweise bin ich während Großereignissen, etwa bei der jüngsten WM oder jetzt, jedes Mal in Deutschland. Und da Deutschland eben einfach auch das beste Team hat, bin ich schnell zum Fan dieser Mannschaft geworden.

Für den Posten an der New Yorker Met werden Sie als „Vater“ einige Ihrer „Kinder“ ziehen lassen.

Rotterdam wird der erste Vertrag sein, der ausläuft. Ich habe oft erlebt, dass so eine Ära ein ungutes Ende nimmt, und das möchte ich vermeiden. Und so genießen und feiern wir im Moment das, was wir gemeinsam erreicht haben.

Das Gespräch führte Tobias Hell.

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