Blumen für eine Große: Senta Berger im Deutschen Theater in München. Foto: Falke

Küss die Hand: Senta Berger präsentiert "Wiener Melange"

München - Wiener Singsang im Deutschen Theater: Senta Berger beschenkt sich (zum Geburtstag) und vor allem das Publikum mit ihrem Programm "Wiener Melange".

Sie sieht hinreißend aus für ihr Alter - und für jedes andere Alter auch. Als Geburtstagssause „Happy Birthday, Senta“ hatte das Deutsche Theater den Abend mit Senta Berger angekündigt - ein kesser Etikettenschwindel, denn in Wahrheit war es „nur“ eine Lesung. Aber was heißt schon „nur“? Der Berger dabei zuzuhören und zuzuschauen, wie sie die blitzgescheiten Texte des Wiener Kaffeehaus-Literaten Alfred Polgar blitzgescheit vorträgt, mal spöttisch, mal verführerisch, war ein großes Vergnügen. Und mindestens so unterhaltsam wie eine kunterbunte „Best of Berger“-Revue.

„Wiener Melange“ hat Senta Berger ihr Programm genannt - wobei die Melange vor allem aus Polgar besteht, verlängert mit ein wenig Tucholsky. Die Mischung mundet vorzüglich: Wer soll Alfred Polgars köstliche Miniaturen über das ewige Ringen zwischen IHR und IHM unterhaltsamer und authentischer zu neuem Leben erwecken als die Berger mit ihrem Wiener Singsang und ihrer Lebensklugheit?

„Männer und Frauen passen nicht zusammen“ liest sie im gut gefüllten Theaterzelt mit feiner Ironie - Senta Berger weiß genau, dass Polgar Recht hat und doch weit danebenliegt. Tucholsky bringt deutschen Biss ins Spiel, das Klenze-Quartett sorgt mit der Demolierer-Polka von Johann Strauß oder Hindemiths Lustigen Mistfinken für den passenden Kaffeehaus-Soundtrack. Ein charmanter Abend, egal ob mit Geburtstag oder ohne.

Jörg Heinrich

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Albträume im La-Le-Lulu-Land
Die griechische Filmemacherin Athina Rachel Tsangari hat zum ersten Mal am Theater gearbeitet und für die Salzburger Festspiele in Hallein Frank Wedekinds „Lulu“ …
Albträume im La-Le-Lulu-Land
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
Die Arena di Verona kämpft mit Affären und Finanznot. Hilfe verspricht man sich von einem Sanierungsplan - und einer Uralt-„Aida“.
Arena di Verona: Auferstehen aus Ruinen
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Er ist Kapitän der Rockband Eisbrecher, deren neues Album „Sturmfahrt“ jetzt erscheint. Wir sprachen mit Alexander Wesselsky über die neue Platte, billiges Fleisch und …
„Ein Hoch auf uns – Warum?“
Kas mit Karoline
Das New Yorker Regieduo 600 Highwaymen versuchte sich im Auftrag der Salzburger Festspiele an Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“. Lesen Sie hier unsere …
Kas mit Karoline

Kommentare