Küssen und killen

- Abgedreht, echt völlig verrückt und dabei todernst auf diese schräge Art eines Karl Valentin, irgendwie ja so etwas wie der Schutzpatron des Münchner Theaters am Sozialamt (TamS): "Theaterlust & ANarrchie", drei Mini-Dramen, die lustvoll aus jeglicher Logik und Ordnung fallen. Die tragende Rolle hat hier - siehe Orthographiefehler - der Narr, der Hanswurst, der Wurstel, in all seinen sprachfamiliären Verzweigungen.

Hahahaha? Viel besser. Durchgehend ein wohlig kopfdurchflüftendes leises Nach-Innen-Kichern bei einer super TamS-Crew in diesen drei Hanswurstiaden: Burchard Dabinnus' "Jack the Worst", ganz klar ein Urenkel vom berühmten "Ripper", frustriert von Gretes Kaninchenfutter-Eintopf, hat eine heiße Gier auf: Wurst natürlich! Also: der Typ an der Straßenecke, der sich gerade eine solche würzige zwischen die Zähne steckt, wird unter Gretes Bügeleisen hingemacht. Wunderbar, wie Dabinnus (auch Regie), Helmut Dauner, Christine Deuker und Christian Buse als Comic-Kriminaler, Italo-Staubsaugervertreter uns eine zwischen Küssen und Killen lodernde Ehe- und Kriminalkomödie servieren. Fast ohne Worte. Nur mal ein provokantes Trällern, die Kunst Marcel Marceaus, Wutknarzen, Schiss-in-der-Büx, Eifersuchtsjaunern aus Ardhi Engls phänomenalem Klang-Reservoir. <BR><BR>Nachdem Claudia Karpfingers schon genial antiwohnliches Spanplatten-Ameublement lego-mäßig in Volkstheater-Guckkasteln umsortiert ist, ergetzt man sich an Maria Pescheks "Verwurschte(l)t". TamS-Prinzipalin Anette Spola hat diesen Hänsel-und-Gretl-Mix als surreal-kathartische Familientragödie inszeniert und Rudolf Vogels Polit-Satire: der Kanzler und der Spar-Hans, u. a. über die Senkung der "universalen transzendentalen Kostenspirale", im Propeller-Jet hoch über den Wolken - im Sturzflug.<BR>

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