Kultur ist nicht Haben, sondern Tun

- Wie die gesamte Stadt München waren nach dem Krieg auch die Kunst-Institutionen von den Bomben extrem geschädigt. Danach wurde heftig diskutiert, was komplett zu schleifen sei, was nicht? Auch die Alte Pinakothek von Klenze stand zur Disposition. Zum Glück wurde der Bau gerettet. Um diese 1952 gefällte Entscheidung zu unterstützen, gründete sich 1953 der Verein zur Förderung der Alten Pinakothek - 1979 kam die Neue dazu. Schirmherrn waren Bundespräsident Theodor Heuss, Ministerpräsident Hans Ehard und Kronprinz Rupprecht. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Albert von Miller, Alfred Winterstein und Ernst von Siemens.

<P>Echter Bürgersinn<BR><BR>Am Montagabend feierte der Pinakotheks-Verein, mittlerweile schon ein Mahn- und Denkmal echten Bürgersinns (ohne Sponsoring-Schnickschnack), mit Festakt und Staatsempfang sein 50-jähriges Bestehen.<BR></P><P>Sehr zu Recht verneigt sich der bayerische Staat vor diesem Förderer, der neben der Ausstattung der Alten Pinakothek (eine Million Mark damals) und der Unterstützung des Führungs-Angebots (seit 1999) vor allem durch seine Hilfe bei Ankäufen von Kunstwerken hervorgetreten ist. So ist es kein Wunder, dass Minister Hans Zehetmair den Verein mit von Herzen kommenden Worten würdigte - "vitale Kraft von 50 Jahren" - und die Erwerbungen in höchsten Tönen pries - von Francesco Guardis "Blick auf Santa Maria della Salute" bis zum aktuellen französisch-romantischen Geburtstagspräsent "Retour de chasse" von Carle Vernet aus dem Jahr 1828. Fünf Millionen Euro (ohne Wertzuwachs) seien in 50 Jahren an Spenden zusammengekommen, so Zehetmair.</P><P>Beim Festakt in der Allerheiligen Hofkirche freute sich Monika Schinzler, Vorsitzende des Vereins-Vorstandes, über das enorme Interesse: Man hatte einen größeren Raum finden müssen - ein gutes Zeichen für die Liebe zur Kunst. Auch Kuratoriums-Vorsitzender Herzog Franz von Bayern, der sich in bester Wittelsbacher-Tradition intensiv für die bildende Kunst einsetzt, betonte: "Ein Museum wäre verwaist ohne einen großen Kreis von Freunden." Sehr beherzigenswert sein Satz: "Kultur besteht nicht aus Haben, sondern aus Tun."</P><P>Mit der Einladung Niel MacGregors, Generaldirektor des British Museum in London, zum Vortrag bewies der Verein erneut sicheres Qualitätsbewusstsein. Mit "Europas Dürer" entwickelte MacGregor anregende Thesen über den ersten Groß-Künstler, untersuchte, was die Aufklärung (da entstand das British Museum) an Dürer fesselte, und schlug einen Bogen zur Gegenwart, in der der aufklärerische Wunsch nach Wissen nicht verloren gehen soll. <BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Valery Gergiev und die Münchner Philharmoniker setzen ihren Bruckner-Zyklus mit der Achten fort. Eine Enttäuschung.
Gergiev und die Münchner Philharmoniker: Warum Bruckner?
Christine Nöstlinger ist gestorben
Die österreichische Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Dies bestätigte am Freitag der Residenz-Verlag in Wien. 
Christine Nöstlinger ist gestorben
Lebensprojekt München: Mariss Jansons bleibt bis 2024
Das ist auch eine kulturpolitische Entscheidung mit Blick auf den Konzertsaal: Mariss Jansons bleibt seinem Orchester ungewöhnlich lang erhalten.
Lebensprojekt München: Mariss Jansons bleibt bis 2024
Earth, Wind & Fire auf dem Tollwood: Im Boogie-Wunderland
Earth, Wind & Fire haben bei ihrem Konzert in der Toolwood-Arena eine mitreißende Show geliefert. Disco kann so einfach sein, findet unser Redakteur - eine Nachtkritik.
Earth, Wind & Fire auf dem Tollwood: Im Boogie-Wunderland

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.