Kulturhauptstadt Graz

- Graz - Weithin sicht- und hörbar verabschiedet sich die Europäische Kulturhauptstadt Graz 2003 vom Publikum: Der Fluss Mur soll am Samstag (29. November) in eine fließende Lichtlandschaft verwandelt werden. Dazu wird der stählerne Schatten des Uhrturms hoch über der Stadt in nie gehörten Tönen erklingen.

<P>Die Licht-Klang-Installation schließt ein Programm ab, das international große Beachtung gefunden hat. Von einer "neuen Dimension in der Geschichte der Kulturhauptstädte" war in den Medien die Rede, die Intendanz verweist auf eine positive Bilanz. Insgesamt besuchten rund 2,5 Millionen Menschen die Veranstaltungen.</P><P>"Unser Ansatz war: populär, aber nicht populistisch", fasst Programmchef Wolfgang Lorenz zusammen. Zu Beginn des Jahres hatte der 59-Jährige angekündigt, er wolle "deutlich machen, dass Kultur kein Luxus ist, sondern unverzichtbares Lebensmittel". Dieses Versprechen sieht er nach elf Monaten mit insgesamt über 100 eigenen Projekten und zahlreichen Koproduktionen mit lokalen Initiativen eingelöst.</P><P>Die Programmverantwortlichen legten einen Schwerpunkt auf Projekte im öffentlichen Raum und bleibende Institutionen, die einen Beitrag zur Stadtentwicklung leisten sollten. Dies reichte von einer künstlichen Insel in der Mur über den spektakulären Bau des Kunsthauses bis zu einem Literaturhaus und einem Kindermuseum. Installationen wie der Uhrturm-Schatten, ein Irrgarten aus riesigen Spiegeln oder Objekte aus Beton, die von Kindern sofort zu Spielgeräten umgewandelt wurden, machten das Kulturhauptstadt-Dasein für die Bevölkerung zum täglich sichtbaren Erlebnis.</P><P>Ein großer Publikumsrenner war die Zeitgeschichte-Ausstellung "Berg der Erinnerungen", die anhand von persönlichen Erinnerungsstücken wie Fotos, Spielzeug oder Briefen eine Stadtgeschichte aus Sicht der Bewohner nachzeichnete. Die Schau lockte mehr als 100 000 Besucher in das Stollensystem im Schlossberg als ungewöhnlichen Ausstellungsort. Die kulturgeschichtliche Schau "Der Turmbau zu Babel" im Schloss Eggenberg, die den Ursprung von Sprache und Schrift beleuchtete, zählte über 116 000 Besucher.</P><P>Mit Skepsis wurden im Vorfeld sozialpolitisch orientierte Vorhaben beäugt. Doch die "Grazer Küche" als riesige Gemeinschaftsküche aller in Graz lebenden Minderheiten wurde ebenso wie die erste Weltmeisterschaft der Obdachlosen-Fußballverbände zum spielerischen Ereignis für Einheimische und Touristen. Internationale Gäste vermissten zu manchen Zeiten spektakuläre Kunstereignisse, doch insgesamt bestätigt die Besucherstatistik das selbstbewusste Resümee der Intendanz.</P><P>Graz Tourismus verzeichnete ein Nächtigungsplus von rund 25 Prozent in der mit 250 000 Einwohnern zweitgrößten Stadt Österreichs. Auch der Kongresstourismus ist angestiegen. Vor allem in jenen Städten, die selbst mit dem Titel der Kulturhauptstadt liebäugeln, war das Interesse am Grazer Programm hoch. So schickten unter anderem Münster, Bremen, Stuttgart, Kassel und Augsburg Delegationen in die Steiermark. Doch Intendant Lorenz wehrt ab: "Wir können kein Patentrezept weitergeben. Jede Stadt muss sich selbst erfinden und ein Original entwickeln".</P><P>@ www.graz03.at</P>

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