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Die Benediktinerabtei in Metten ist Schauplatz eines Konzertes mit Bach-Werken.

"Kulturwald": Kein Festspiel von der Stange

München - Ein „Monsterchen“ sei sein Festival inzwischen. Bariton Thomas E. Bauer lockt Musikfreunde heuer zum fünften Mal mit „Kulturwald“ in den Bayerischen Wald. Kein Festspiel von der Stange.

Dass dieses Festival überhaupt noch Platz hat in seinem Terminkalender, ist ohnehin ein Wunder. Gestern zum Beispiel, da flog Thomas E. Bauer „schnell“ nach Warschau, um das Brahms-Requiem aufzunehmen. Früh hin, zwei Bariton-Soli, abends zurück, dann gleich Richtung Niederbayern – der Festspielstart ist nah. 100 Auftritte pro Jahr hatte der gebürtige Mettener früher absolviert. „Jetzt hab’ ich mich eingeschränkt.“ Aktuell sind es 80.

Aber sein Kulturbaby, das er seit fünf Jahren mit seiner Frau, der Pianistin Uta Hielscher, hegt und päppelt, verlangt eben verstärkte Aufmerksamkeit. Auf den ersten Blick hat der „Kulturwald“ die typischen Eigenschaften landläufiger Festivals. Ein traumhaftes Ambiente (Spielstätten vom Kloster Metten über die Basilika Niederalteich und den Straubinger Rittersaal bis zum Deggendorfer Klosterhof) verbindet sich mit hochkarätiger Kunst. Doch trotz Beethovens Neunter oder „Jedermann“, mit dem „Kulturwald“ an diesem Freitag in der Heilig-Grabkirche zu Deggendorf eröffnet wird: Bauer schwebt anderes vor.

Es ist eine Umarmungsstrategie, mit der der 42-Jährige seine niederbayerischen Landsleute in die Säle holt. Im Kinder- und Jugendbereich wird vieles beackert unter anderem mit Mitmach-Aktionen. Es gibt Klanginstallationen, mit denen die Konzerte aus- und eingeleitet werden. Und dank Bauers weltweiter Vernetzung wird auch die „Kunst des Voodoo“ vorgeführt oder Raquel Tavares, die „Prinzessin des Fado“, eingeladen. Dazwischen findet sich viel Kammermusikkost, die nach Intellektuellen-Menü riecht. Doch so, wie Bauer das alles anrichtet, wie er dafür werbend durch die Donau-Gegend streift, verliert selbst ein Konzert mit Bach-Kantaten (bei dem er natürlich selbst mitsingt) jeglichen Ruch der unnahbaren E-Musik.

Zu 80 Prozent gehen die Karten ans engere Einzugsgebiet zwischen Straubing und Passau, aber auch viele Münchner finden mittlerweile Gefallen am „Kulturwald“. Es ist ein „enorm jugendliches Publikum“, das sich laut Bauer für die Programmpunkte interessiert. Und alles ist sehr erschwinglich: Die teuerste Karte kostet 15 Euro, nur beim kostenträchtigen Beethoven-Abend mit dem Linzer Bruckner-Orchester werden maximal 25 Euro verlangt.

Sänger, Festivalchef und Mann für alles: Bariton Thomas E. Bauer ist die treibende Kraft von „Kulturwald“.

Sponsoren? „Ich selbst bin mein größter Sponsor“, sagt Bauer lachend. Dennoch kann er mittlerweile auf 100 Förderer bauen. Und nicht unbedingt die klassische Kreissparkasse ist darunter, auch hier ist der Chef erfindungsreich: „Gerade aus Münchner Sicht wird oft vergessen, dass Niederbayern eine Boom-Region ist.“ Bauer selbst wundert sich immer wieder, wie viele international operierende Hightech-Firmen dort ansässig sind. Deren meist jugendliche Chefs sind folglich seine Ansprechpartner, ihrem Erfindungsreichtum begegnet der Festival-Missionar auf Augenhöhe.

Mit Crossover, darauf legt Bauer Wert, hat der „Kulturwald“ nichts zu tun. „Wir stellen die Dinge nebeneinander, und dann spiegeln sie sich.“ Gefällig will er dabei nicht sein. „Wir Waldler sind nicht so harmlos, da gibt es in jeder Hinsicht dunkle Ecken.“ Umso mehr kann sich der Bariton darüber aufregen, was die öffentliche Hand unter Kulturförderung versteht. „Eine bayerisch-böhmische Knödelwoche, die hat mit meinem Kulturbegriff wenig zu tun.“

Mit den Gedanken ist Bauer bereits im übernächsten Jahr. Zuvor, 2013, soll es etwas entspannter bei „Kulturwald“ zugehen, auch weil Bauer sich in dieser Zeit verstärkt Musiktheaterprojekten widmen will – unter anderem ist er von Nikolaus Harnoncourt für Offenbachs „Blaubart“ in Graz engagiert worden. 2014 aber, da wagt man sich im Bayerischen Wald an Großes, an Wagners „Rheingold“. Auch deshalb, weil Bauer sein Festspiel am Scheideweg sieht: entweder auf kleiner Flamme weiterköcheln oder den Sprung zu Prestige-Projekten wagen. Und warum er sich das alles antut? „Ich habe so viel Glück gehabt in meinem Leben, da möchte ich etwas zurückgeben“, sagt Thomas E. Bauer. „Es gibt Ärzte, die fahren in Entwicklungsländer. Ich mache halt ein Festival in meiner Heimat.“

Informationen:

Das Festival dauert vom 31. August bis 9. September. Näheres unter www.kulturwald.de.

Markus Thiel

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