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„Eine Sendung wie die ,Kulturzeit’ macht das Leben besser.“ Vivian Perkovic im Studio. 

Interview mit Moderatorin Vivian Perkovic

„Kulturzeit will helfen, die Welt zu mögen“

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Zuschauer des BR-Fernsehens kennen Vivian Perkovic von den Sendungen „Jetzt mal ehrlich“, „Puls“ und „on3-Südwild“. Seit einem Jahr ist die 39-Jährige, die etwa auch beim Deutschlandfunk Kultur zu hören ist, im Auftrag des ZDF Gastgeberin der „Kulturzeit“.

München – Vivian Perkovic moderiert die 3sat-Sendung „Kulturzeit“ (werktags, 19.20 Uhr) im Wechsel mit Nina Mavis Brunner vom Schweizer Fernsehen, ihrem ORF-Kollegen Peter Schneeberger und Cécile Schortmann (ARD). In unserem Gespräch blickt die 39-Jährige auf ihr erstes „Kulturzeit“-Jahr.

Wie ist es seit Ihrem Start bei der „Kulturzeit“ gelaufen?

Vivian Perkovic: Super. Ich bin sehr froh, dass ich das machen darf. Ich empfinde zwar noch jeden Tag Druck – und das ist auch richtig bei einer solchen Sendung –, inzwischen habe ich aber nicht mehr so große Panik vor dem Zeitmanagement. Ich weiß nun, was ich bis 12 Uhr, bis 14 Uhr und bis 16 Uhr erledigt haben sollte. (Lacht.) Ein solches Gerüst zu haben, ist sehr gut.

Können Sie sich noch erinnern, was Ihnen durch den Kopf ging, als klar war, dass Sie „Kulturzeit“-Moderatorin werden?

Perkovic: Eine Mischung aus Mega-Freude und Schiss: Schaffe ich es tatsächlich, in einem Format, das eine so starke Marke ist, mich nicht einschüchtern zu lassen und mir treu zu bleiben? Aber am meisten habe ich mich gefreut, die Gelegenheit zu haben, an unseren Themen ständig arbeiten zu können. Eine Sendung wie die „Kulturzeit“ beeinflusst ja nicht nur die Tage, an denen ich moderiere, sondern auch darüber hinaus. Das ist ein Gewinn für meinen Alltag und macht das Leben besser.

Wann ist eine Sendung für Sie gelungen?

Perkovic: Wenn im Studio von der Kabelhilfe bis zur Kamerafrau alle auf die Monitore gucken und nicht reden. Dann weiß ich: Dieser Beitrag nimmt alle mit.

Und wenn es nicht so ist, wird im Studio geredet, während ein Beitrag läuft?

Perkovic: Die Kollegen im Studio machen den ganzen Tag verschiedene Sendungen, wir sind da in einem Wettbewerb. Und ich merke, wenn die Aufmerksamkeit mal schwindet. Ich schaue mir meine Sendung am Abend oder am Morgen danach in der Mediathek an. Gelungen ist sie für mich, wenn sie einlöst, was wir wollen: thematische Bögen zu schlagen und neue Perspektiven auf aktuelle Fragen zu ermöglichen. Oder, noch kürzer: Wenn wir helfen, die Welt zu verstehen, und die Welt zu mögen.

Von der idealen Sendung zum idealen Zuschauer. Gibt es den?

Perkovic: Der ideale Zuschauer ist für mich kein Erbsenzähler, sondern ein Mensch, der Überraschungen liebt, der auch gegensätzlichen Meinungen zuhört und der gerne Spaß hat.

Was ist es für ein Gefühl, für eine Minderheit Fernsehen zu machen?

Perkovic: Natürlich schauen nicht alle täglich zu, die von sich sagen, dass sie „Kulturzeit“ gut finden. Klar, wir haben die Bildungsbürger und die Studenten im Publikum. Aber ich glaube, wir erreichen Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten. Für mich ist eine knappe Viertelmillion Zuschauer im Durchschnitt pro Abend übrigens auch keine Minderheit!

Täuscht der Eindruck, oder ist die „Kulturzeit“ durch Sie und Ihre Kollegen Nina Mavis Brunner und Peter Schneeberger politischer geworden?

Perkovic: Sind nicht einfach die Zeiten politischer geworden? Der Terror ist nach Europa gekommen, in Deutschland ist die AfD in den Bundestag eingezogen, in Österreich sitzt die FPÖ wieder in der Regierung, Trump, Erdogan – es ist so viel los, dass es schwerfällt, da nicht hinzugucken. Diese Entwicklung spiegelt sich in der Kunst, auf dem Theater, in den Verlagsprogrammen und bei den Plattenfirmen. Wir bilden das nicht nur wie eine Nachrichtensendung ab, sondern wir zoomen nah ran oder öffnen den Blickwinkel auch mal ganz weit. Oder wir verknüpfen Aktuelles mit einer historischen oder soziologischen Analyse: Das alles kann eine Nachrichtensendung nicht leisten.

Ich habe bei Ihnen den Eindruck, dass Sie von den vier Gastgebern am stärksten Persönliches in die Sendung einbringen – sei es in der Moderation, aber auch nonverbal, etwa durch das Heben einer Augenbraue...

Perkovic: Ich bin der Kanal, durch den die Inhalte zu den Zuschauern gebracht werden. Allerdings finde ich, dass das Persönliche nicht im Mittelpunkt stehen sollte – deshalb finde ich es auch seltsam, Ihnen ein Interview zu geben. Ich stelle lieber die Fragen...

Danke, dass Sie sich dennoch darauf eingelassen haben.

Perkovic: Es geht nicht darum, mich in den Vordergrund zu stellen. Was ich aber versuche, ist, zum Beispiel bei der Moderation eigenen Formulierungen zu finden. Ich hasse Phrasen: Meine Mutter war Putzfrau in Remscheid und hat das Altpapier der alten Damen mitgebracht, bei denen sie gearbeitet hat, etwa „Frau im Spiegel“ und „Das goldene Blatt“. Wir hatten zuhause wenig Zeitungen, daher fand ich das als Teenie unglaublich wertvoll und habe das alles gelesen. Meine Abneigung gegen Phrasen hat sicher damit zu tun, dass ich sie mir damals ein paar Jahre lang reingekloppt habe. Diese Magazine sind Trash oder Boulevard – aber in diesem Punkt haben sie mich gebildet. Statt auf Phrasen auszuweichen oder Metaphern zu nutzen, die ich selbst nicht mehr hören kann, versuche ich Formulierungen zu finden, die dem nahe kommen, was ich denke oder fühle. Wenn das dann das ist, was Sie „eigen“ nennen, ist das so. Für mich ist es eher: gründlich.

Was finden Sie derzeit kulturell oder gesellschaftspolitisch besonders spannend?

Perkovic: Die #MeToo-Debatte hat einen furchtbaren Anlass, aber die Art und Weise, wie sie verlaufen ist, fand ich fantastisch. Diese Debatte hat immer mehr Kraft gewonnen, sodass es bei manchen für eine Verunsicherung, ein Hinterfragen gesorgt hat: Was habe ich für ein Rollenverständnis? Wie nutze ich meine Macht? Diese Vielzahl der Stimmen und das Maß an Aufmerksamkeit fand und finde ich gut.

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