Die Kunst als Beispiel

- Zuerst waren es nur die 13 Steine, die Jakob und seine Söhne Rachel aufs Grab legten. Auf dem Weg nach Bethlehem, dort, wo sie bei der Geburt ihres ersehnten zweiten Sohnes gestorben war. Erst Jahrhunderte später wird hier das bekannteste Monument des Judentums entstehen: das Rachel Grab.

<P class=MsoNormal>Obschon nicht er der Erbauer ist, so ist der Kuppelbau doch auch sein Lebenswerk: Schon lange beschäftigt sich der israelische Maler und Bildhauer marokkanischer Herkunft Jacques Jano mit der Grabstätte der biblischen Rachel - in Installationen, in stilisierten Nachbauten aus Eisen oder Kleidung und vor allem in seinen Bildern. Auch sein eigenes Haus auf einem Hügel in Galiläa hat Jano nach dem Vorbild von Rachels Grab entworfen.</P><P class=MsoNormal>"Er ist ein authentischer Künstler", beschreibt ihn Emmanuel Heller, der Leiter des neu gegründeten "Zentrums für zeitgenössische israelische Kunst" in München. "Weil er ein authentischer Mensch ist."</P><P class=MsoNormal>Heller widmet dem heute 55-Jährigen die zweite Ausstellung in den drei hellen Ausstellungsräumen seiner Altbauwohnung in der Schwabinger Isabellastraße. "Es ist keine Galerie", erklärt Heller, "weil es nichts Kommerzielles ist".</P><P class=MsoNormal>Erst vor acht Monaten ist er von Tel Aviv nach München gezogen, um in der "hochkulturellen Stadt" das Zentrum zu gründen - als Ableger seiner Galerien in Israel. Was Heller dabei herausfand, ist kaum zu glauben: Sein Kunstzentrum ist einzigartig in Europa.</P><P class=MsoNormal>In gewissem Sinne leistet er auch Pionierarbeit für das Jüdische Museum auf dem Jakobsplatz, das in etwa zweieinhalb Jahren fertiggestellt sein wird und dann seinerseits einen ungewöhnlichen Schwerpunkt auf die zeitgenössische Kunst legen will. Heller wünscht sich, Aspekte aus dem israelischen Leben und Denken zu vermitteln, die sich "von der hiesigen Medienberichterstattung wesentlich unterscheiden". Ziel der Kunst sei die freie Information. Auf die Frage nach (politischer) Macht antwortet er: "Ich glaube, dass die Kunst ein gutes Beispiel geben kann. Wie Eltern ihren Kindern. Sie sagt, was sie sagt. Und man nimmt es oder nicht."</P><P class=MsoNormal>Gedrungene, überkuppelte Bauten sind auf Janos Bildern zu sehen, farbig, fantasievoll. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die vielen Selbstbildnisse, die sich in seinen Grab-Etüden verstecken, welche er manchmal auch von religiösen Symbolen und hebräischen Schriftzeichen bewohnen lässt. Auf einem panzerähnlichen Gefährt rollen die Grabmale Israels - der dauernde Krieg gilt der Verteidigung der heiligen Stätten. Die vielen architekturmalerisch verschachtelten Innenräume dann sind schwarz von Janos Kohlestrichen, leuchten gespenstisch weiß unter dem Spotlicht von gemalten Deckenlampen. Mal signiert Jano auch mit Zenou, mal ist er Yakov, mal Jack. "Er ist sehr spontan", sagt Heller, "ein Action-Man, kein Denker".</P><P class=MsoNormal>Im Grunde arbeiteten israelische Künstler nicht viel anders als andere Künstler in der ganzen Welt, meint Heller. Daher kann er sich für die Zukunft auch eine Ausstellung mit deutschen und israelischen Künstlern zu einem bestimmten Thema vorstellen: "Die Wände haben nichts dagegen." </P>Bis 12. Mai. Di-Fr 15-18 Uhr u. nach Vereinbarung, Isabellastraße. 33. Infos: 089/28 80 63 53.

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