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Kunstschätze im Blick: Georg von Gumppenberg leitet die Allianz-Kunstversicherung.

Kunst eignet sich nicht als Spekulationsobjekt

Gemälde erzielen teilweise Höchstpreise auf Auktionen – dennoch warnt Georg von Gumppenberg von der Allianz vor Illusionen.

Der Kunstmarkt boomt, doch damit steigen die Versicherungssummen für die Museen. Das kann zum Problem für mittelgroße Häuser werden. Wer vom wachsenden Kunstmarkt angesichts der Aktienkrise privat profitieren will und Kunst als Anlageobjekt kauft, den warnt Georg von Gumppenberg, Leiter der Kunstversicherung der Münchner Allianz, vor Illusionen: „Wer glaubt, dass er mit Kunst 30 Prozent Gewinn pro Jahr oder mehr erzielt, täuscht sich.“

Die Kunsthäuser klagen, dass die Finanzierung von Ausstellungen immer kostspieliger wird. Warum ist das so?

Das hat zum einen mit dem Transport der Kunstwerke zu tun. Je teurer ein Objekt ist, desto aufwändiger muss es verpackt werden. Eine weitere Ursache für die immer höheren Kosten sind die rasant gestiegenen Kunstpreise der vergangenen Jahre. Denn mit ihnen steigen die Versicherungssummen für die Kunsthäuser und damit auch die Gesamtprämien, obwohl die reinen Prämiensätze eher gesunken sind.

Führt das dazu, dass es inzwischen weniger große Ausstellungen gibt?

Es ist nicht so, dass es signifikant weniger Ausstellungen in Deutschland gibt. Aber gerade die mittelgroßen Häuser haben oft kein ausreichendes Budget und müssen manchmal Ausstellungen ausfallen lassen. Ich glaube, dass sich daraus ein Trend entwickeln könnte.

Kunstwerke erzielen teilweise Höchstpreise auf Auktionen. Sollte man sein Geld in Kunst anlegen?

Dass man einen Teil des Vermögensmixes in Kunst anlegt, halte ich für sinnvoll, aber eher als Werterhalt und nicht, um damit zu spekulieren. Wenn man gute Qualität kauft, dann ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass sich das Geld erhält und vielleicht sogar eine vernünftige Rendite bringt – wie man auf dem Kapitalmarkt auch eine Rendite von etwa fünf Prozent pro Jahr erwirtschaften kann. Aber wer glaubt, dass er mit Kunst 30 Prozent Gewinn pro Jahr oder mehr erzielt, täuscht sich. Das kann einfach nicht funktionieren.

Steigen die Preise, wenn ein Maler stirbt – so wie kürzlich Lucian Freud?

Die Legende, dass die Werke eines Künstlers automatisch im Wert steigen, wenn er stirbt, mag für Maler wie Lucian Freud durchaus gelten. Wenn aber jemand vor seinem Tod nicht ein wirklich bekannter Künstler war, werden seine Bilder nach dem Tod nicht viel wertvoller werden.

Wie haben sich die Preise etwa für Möbel oder Teppiche entwickelt, die früher als Anlageobjekte galten?

Biedermeier-Möbel haben vor 15 Jahren schlicht und ergreifend mehr gekostet als heute. Zinn, Messing und Eichenmöbel waren vor 20 bis 25 Jahren große Mode. Heute sind sie fast unverkäuflich, außer wenn es sich um Spitzenqualität handelt. Das gilt etwa auch für Teppiche aus den Fünfziger-, Sechziger- oder Siebzigerjahren aus Persien. Auf dem Kunstmarkt gibt es immer Wellenbewegungen. Jugendstil und Art déco waren bis vor 20 Jahren noch relativ unbedeutend, heute sind sie groß en vogue. Aber ich bin kein Kaffeesatzleser und kann daher nicht sagen: Das ist in 15 Jahren immer noch so.

Das Gespräch führte Dorothea Hülsmeier.

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