Die Kunst des Flüchtigen

- Sie wurden bekannt für ihre üppigen Farben und wilden Bilder im Paris am Anfang des 20. Jahrhunderts. Das alles wird beiseite gelassen: Denn es gibt einen Vertreter der Fauves, der sich dem Dezenten widmete und der nun, ein Jahrhundert später, mit einer ersten monographischen Schau von Zeichnungen brilliert. Albert Marquets feine, dynamische Linie ist Thema in der Graphischen Sammlung (Pinakothek der Moderne), die zarte Landschaften, vorbeieilende Flaneure und hocherotisierte Damen einfängt. Es ist das Paris der beginnenden Moderne, das in wenigen Strichen lebendig wird. Darüber hinaus aber ist es eine einzigartige, beschwingte Symbiose von fernöstlicher Kalligrafie, impressionistischer Momentaufnahme und moderner Reduktion.

<P>1892 trifft Marquet (1875- 1947) Henri Matisse auf der Ecole des Beaux Arts Paris, die Zeit ihrer Freundschaft ist zugleich der Rahmen für die Ausstellung. In Studien zu Pferdewagen werden beider Stile verglichen: Matisses impulsive Handschrift, die spartanisch wird. Und Marquets tanzende Linie, die sich um Figuren schlängelt, um mit fast gar nichts doch alles auszudrücken. Die Kunst des Flüchtigen lag Marquet besonders: Er wurde berühmt für Straßenszenen, wo kurze Flächen und Schwünge die Damen bändigen. Ein Dandy posiert langbeinig und leger (1900), feste Umrisse eines Paares tanzen (1903), ein glücklicher Mann als schwarze Silhouette schreitet Hut schwenkend voran (1904).<BR><BR>Auch bei den Landschaften sind es wunderbar leichte, gepunktete Ansichten, andererseits klare Silhouetten seiner geliebten Häfen. Marquet wurde in Bordeaux geboren, und zur 40-jährigen Städtepartnerschaft mit München hat das Museé´ des Beaux Arts die Ausstellung unterstützt. Die pikantesten Objekte indes sind im Besitz der Graphischen Sammlung: Gerade als man das Mappenwerk "Academie des Dames" umständlich ausleihen wollte, wurde es günstig in den USA zum Verkauf angeboten. Auf 20 Lithografien umarmen sich zärtlich die Damen. Der Kontext dieser lesbischen Beobachtungen ist unklar, zwischen intimer Nähe und Voyeurismus schwanken die Darstellungen. München hat sie nicht wegen, sondern trotz der Motive gekauft, die nun umhüllt von einer Vitrine Privates suggerieren. Geschätzt auf 1912-13 stehen sie für Marquets luftiges Frühwerk: sinnlich, ästhetisch und flüchtig wie die damalige Pariser Künstlerschaft.</P><P>Bis 28. April, <BR>Katalog 19 Euro, <BR>Tel. 089/ 23 80 50.<BR></P>

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