Kunst und Liebe

- Fräulein Franck aus Berlin, 1876 geboren, kam wie viele andere nach München, weil's da legerer zuging als anderswo im wilhelminischen Deutschland und man als Frau bessere Freiheits-Chancen hatte. Maria Franck landete also 1903 in Schwabing und setzte ihre Ausbildung fort an der Schule des Künstlerinnen-Vereins. Auch wenn die Eltern von dem Lotterleben nicht viel hielten und ihre Tochter immer wieder nach Berlin zurückbeorderten, zog es die junge Malerin unaufhaltsam in den Süden. 1905 traf sie den feschen Bayern Franz Marc, der aber ein recht turbulentes Liebesdasein fristete. Erst im Sommer 1913 konnten beide heiraten. Knapp drei Jahre später war Maria Marc schon Witwe, Franz fiel im Ersten Weltkrieg. Sie starb 1955.

<P>Das Schlossmuseum Murnau, das der Gruppe durch eben diesen Heimatort des Blauen Reiter besonders verpflichtet ist, zeigt die Ausstellung "Maria Marc im Kreis des Blauen Reiter". Hausherrin Brigitte Salmen hat wieder einmal Nachlass-Wundertüten geöffnet und präsentiert nicht nur Gemälde und Webarbeiten, sondern auch Skizzenbücher, Briefe und Karten, Bücher, ja sogar Einrichtungsgegenstände der Marcs wie einen von Franz liebevoll bemalten Speiseschrank. Darüber hinaus finden sich Bilder ihres Mannes, aber auch von Macke, Münter, Niestlé´, Campendonk, also dem Blauen-Reiter-Kreis, in dem ja Marc neben Kandinsky die zentrale Figur war. Dieses kleine Panorama, die Korrespondenz von Klee bis Carossa, von Ernst Bloch bis Kandinsky sowie insbesondere Marias Suche nach den eigenen ästhetischen Ausdrucksformen in diesem Umfeld schildern sehr anschaulich ihre feste Einbettung in die Künstlergemeinschaft - auch über den Tod Franz Marcs hinaus.</P><P>"- und ich denke an Sie, Maria. Trost? Was wissen wir - nichts."<BR>Gabriele Münter</P><P>Die Exposition folgt der Chronologie, markiert zunächst Marias grundsolide realistische Ausbildung, aber auch - man sieht es an dem Worpswede-Blatt - ihre Wachheit Neuerungen gegenüber. Klar, dass sie in Bayern dann die Lust an Freiluftmalerei, an Sonne und Farbglanz genoss. Mit ihrem Franz malte sie das Gelbgrün junger Wälder um die Wette. Seine "Zwei Frauen am Berg" gehören in diese Phase. Aber nur noch Maria lacht uns im Schlossmuseum Murnau glücklich verliebt entgegen. Das andere Mädchen, die andere Hälfte, ist verschollen. Vielleicht hat ihr Urbild, Marie Schnür, es bekommen, vielleicht hat Maria Marc die Rivalin abgeschnitten? Immerhin hatte Schnür Marc 1907 zur Ehe gedrängt, um ihr uneheliches Kind (mit dem Maler Angelo Jank) problemlos aufziehen zu können. Ihr Versprechen, Franz freizugeben, brach sie, sodass der Dispens nicht erteilt werden konnte. Maria Franck und Franz Marc mussten jahrelang warten, um heiraten zu können. </P><P>Nach Franz' Tod vermochte Maria erst in den 20er-Jahren wieder künstlerisch aktiv zu werden; sie wurde eine Bauhaus-Weberin. Teppiche sind im Museum genauso zu sehen wie farbsatte Kinder- und Blumengemälde. Hoffnung und Heiterkeit, die der Krieg zerstörte. Lustig und abgründig zugleich sind die "Kinderbilder", gedacht für ein Buch: Spielzeug von der Puppe über den Teddy bis zum Zwetschgenmandl wird aktiv, stellt das Leben nach. Manchmal entsteht dabei eine fast unheimliche Hintersinnigkeit.</P>Bis 1. November, Katalog: 13 Euro; Tel. 088 41/ 47 62 07.

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