Kunst im öffentlichen Raum: Soiz in da Suppn

München - Das RischArt_Projekt "achthundertfünfzig" zeigt in der Münchner Innenstadt "Denkmäler".

Wer dieser Tage mitten in der Stadt von zwei schrägen Gastronomen eingeladen wird, bei Schweinsbraten und Semmelknödeln das "Soiz in da Suppn" zu schmecken, sollte das Angebot annehmen.

Er wird das kleinste Menü seines Lebens zu sich nehmen, zubereitet von der Performancekünstlerin und Idyllenforscherin Ruth Geiersberger und dem Kochbuchautor Sebastian Dickhaut. Zum Nachtisch kann er sich zum Beispiel die Nase an Sonja Alhäusers Kühlcontainer auf der Rischart-Terrasse über der Metzgerzeile platt drücken, in dessen Innern eine verführerisch-frivol-fatale Eisgrotte aus Buttercreme lockt. Oder er kann sich ein paar Schritte weiter, im Biergarten auf dem Viktualienmarkt, am Anblick von Johannes Muggenthalers Schnee bedeckter Biergartengarnitur erfrischen.

Die "Denkmäler", mit denen das diesjährige RischArt_Projekt "achthundertfünfzig" den 850. Stadtgeburtstag, das 125. Jubiläum des Backhauses sowie sein eigenes 25-jähriges Bestehen feiert, bilden einen wunderbar abwechslungsreichen und pfiffigen künstlerisch-kulinarisch-historischen Münchner Stadtrundgang, den man keinesfalls verpassen sollte. Zehn Künstler(paare) setzen sich an Originalschauplätzen mit berühmten oder vielleicht bereits vergessenen Stadtgeschichten auseinander.

So erinnert Alix Stadtbäumer auf dem Frauenplatz mit einer "Himmelsleiter" an "Die große Gnad" von 1480, die Pilgerspende zur Vollendung der Frauenkirche. Über dem Promenadeplatz hängt Alfred Kurz' "Prunksalz"-Kronleuchter aus 1600 Salzstreuern. Und im Alten Hof erscheint Pia Stadtbäumers kurioser "Guitar Man" ohne Gitarre als bonbonfarbener Stellvertreter der fürstlichen Schauessen.

Die kompletten Geschichten kann man entweder bei einer der kostenlosen Lesungen und Stadtführungen mit Eva Deuring und dem Schauspieler Michael Fitz erfahren. Ausgangspunkt ist das RischArt_Projektbüro in der Buttermelcherstraße 16, das Heike Kati Barath mit ungewöhnlichen "Zunftzeichen" geschmückt hat. Oder man liest sie in dem gelben Heftchen nach, während man sich auf eigene Faust die zehn außergewöhnlichen Perspektiven auf die Stadt erwandert oder erradelt.

Auch das besitzt seinen Reiz: Denn weil diese Kunst ihrem öffentlichen Raum so nah wie möglich kommen will, wird ihr Besucher manches Mal zum Sucher und der Besuch zum kleinen Abenteuer. In einer Nische im Isartor etwa wartet Bogomir Eckers "Hungerkünstler". Auf einem steinernen Geländer der Ludwigsbrücke überrascht die Wundertüte "Sawasminga" von Peter Sauerer, und auf einer Isarinsel hinter dem Deutschen Museum machen M+M ein genmanipuliertes Weizenfeld hörbar.

Bis 31. Juli

Lesungen, Führungen: 089/ 76 77 38 24; Projektraum, tägl. 11-18 Uhr; Katalog erscheint Mitte Juli.

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