Verdächtiges Paket in Würzburg: Straße und Bahn gesperrt, Häuser evakuiert

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Wir können das Wiener Liedermacher-Duo Christoph & Lollo beruhigen: Auf diesem Pressefoto ist nicht auszumachen, dass Christoph Drexler (li.) und Lorenz Pichler nach eigenen Angaben „fette Hintern“ haben sollen. Wirklich nicht. Foto: Ingo Pertramer

Christoph & Lollo

Die Kunst des sich Verzettelns

München - Das Liedermacher-Duo Christoph & Lollo hält sich für eine schlechte Band – die Fans lieben die Wiener trotzdem.

Ausgerechnet Rock’n’Roll musste es sein. Dabei hätten Christoph & Lollo eine Riesenauswahl gehabt. Elf Titel umfasst das neue Album des Wiener Liedermacher-Duos. Darunter Satirehymnen auf Parteien, Titel über autoritäre Regimes, böse Großkonzerne und das Internet. Alles Themen fürs Kabarett. Und dennoch haben Christoph & Lollo ihr neues Werk nach dem einzigen Stück benannt, das einfach den Tour-Alltag einer erfolglosen Band beschreibt: „Das ist Rock’n’Roll“.

Unbewusst aber verrät der Titel einiges über die Musiker, die 1995 von Österreichs humoristischen Enfants terribles Dirk Stermann und Christoph Grissemann entdeckt wurden. Begonnen haben Christoph Drexler und Lorenz „Lollo“ Pichler nämlich als unscheinbare Zwei-Mann-Combo mit Christoph hinterm Mikrofon und Lollo an der Gitarre. Heute zählen sie zu den Dauergästen der Wiener Kabarettbühne Niedermair und sind auch bei uns häufig dort zu Gast, wo Komiker und Kleinkünstler auftreten. Lollo Pichler, Songschreiber des Duos, ist darüber erstaunt: „Wir haben von Kabarett keine Ahnung und wollten dort eigentlich nie hin. Eines Tages fiel uns dann auf, dass wir längst im Kabarett angekommen sind. Wir gelten als Kabarettisten und keiner merkt, dass wir in Wirklichkeit nur eine schlechte Band sind.“

In der Tat gleichen die Auftritte des Zweigespanns auf den ersten Blick ganz normalen Konzerten. Zwischen den einzelnen Liedern wird jedoch auffällig viel gequasselt. Und da wären noch die Songtexte. Während andere über die Liebe singen, das aufregende Rockstar-Dasein, Verluste, Einsamkeit und Ähnliches, machen sich Christoph & Lollo nicht nur über politische Probleme lustig, sondern über einfach alles. Auch über die eigene Wenigkeit.

„Es ist befreiend und sinnvoll, über sich selbst zu lachen“, erklärt Pichler. „Leute, die das nicht können, sind suspekt und gefährlich.“ Auf dem aktuellen Album etwa scherzen die beiden über Männer, die in der heimischen Küche zum Chefkoch mutieren. Außerdem über Eltern, die jeden zweiten Satz mit „Seit ich ein Kind hab’“ beginnen. In beiden Fällen greifen sich die musikalischen Spaßvögel selbst an die Nase. Christoph & Lollo haben nämlich mittlerweile jeweils ein Kind und tendieren angeblich beim Kochen zur Selbstherrlichkeit. Sogar den „fetten Hintern“, den sie allen Eltern attestieren, beanspruchen sie laut Pichler für sich: „Man muss nur nur mal unsere aktuellen Pressefotos mit den alten vergleichen. Dann sieht man’s.“

Christoph & Lollos Humor wirkt nicht nur erfrischend. Er hat die beiden auch vor Katastrophen auf der Bühne bewahrt. Schon oft ist es vorgekommen – selbst heute noch nach mehr als 600 Auftritten –, dass Lollo sich auf der Gitarre verspielte oder Christoph mitten im Lied den Text vergaß. Manchmal fällt den beiden ad hoc auch kein Song ein, den sie darbieten könnten. Und einmal trat Christoph sogar mit offenem Hosentürl auf – aus Versehen selbstverständlich. In solchen Fällen hilft nur Selbstironie. „Wir leben davon, dass wir uns verzetteln. Schlimmer aber als diese kleinen Pannen ist es, wenn wir es nicht schaffen, die Leute zu packen.“ Wie beim Auftritt im Rahmen eines Hebammenfests. Damals spielten Christoph & Lollo ein Lied namens „Brüste“, das die männliche Fixiertheit aufs weibliche Geschlechtsmerkmal beschreibt. Mitten im Konzert eilte eine Dame auf die Bühne, schnappte sich das Mikro und beschwerte sich über den angeblich sexistischen Gehalt des Stücks. Die Stimmung war dann – zumindest vorübergehend – dahin.

Insgeheim haben Christoph & Lollo von ihrer Schusseligkeit natürlich längst profitiert. Als Markenzeichen aber sehen die beiden diese nicht. Dann schon eher einen Aspekt, der sich unmittelbar daraus ergibt. „Wir spielen jeden 1. Januar im Kabarett Niedermair in Wien. Manche Fans kommen jedes Jahr wieder, denn sie wissen, dass unsere Konzerte so spontan und chaotisch sind, dass sie niemals das Gleiche erleben werden.“

Katrin Hildebrand

Deutschland-Premiere

am 9. Oktober im Münchner Vereinsheim, Occamstraße 8; Telefon 089/ 34 49 74. Am 7. November treten Christoph & Lollo in der Stadtbücherei Neuhausen, Nymphenburger Str. 171a, auf; Telefon 089/ 23 38 24 50.

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