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Führungswechsel: Gabriel Mayer (li.) übergab die Geschäftsführung an seinen Sohn Michael.

Mayer’sche Hofkunstanstalt

Die Kunst weitertragen

München - Seit fünf Generationen in Familienhand: Eine opulente Monografie feiert die Mayer’sche Hofkunstanstalt in München.

Gabriel Mayer blickt auf seinen kleinen Enkel, der durch die Menschenmenge wuselt: „Das ist das Schöne an so einer Firma: die Kunst weiterzutragen vom 19. Jahrhundert übers 20. Jahrhundert und hoffentlich noch weit bis ins 21. Jahrhundert hinein.“

Der Seniorchef hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken: Seit fünf Generationen führt die Familie die Mayer’sche Hofkunstanstalt in München. Fünf Generationen, die sich ganz der Glasmalerei und Mosaikkunst verschrieben haben. Am Donnerstagabend hatte die Traditionswerkstatt Freunde und Künstler eingeladen, um zu feiern. Anlässe dafür gab es genug: Gabriel Mayers 50. Firmenjubiläum, die gerade im Hirmer Verlag erschienene umfangreiche Monografie über die Hofkunstanstalt und den Wechsel an der Spitze des Hauses. Denn Seniorchef Gabriel Mayer übergab die Geschäftsführung an diesem Abend offiziell an seinen Sohn Michael. Der bedankte sich bei seinem Vater und seiner Mutter Renate dafür, dass sie die Firma über so viele Jahre mit Bravour geleitet haben und ihm damit die Chance gegeben hätten, die Familientradition fortzuführen. „Außerdem“, fügte er lachend hinzu, „bin ich ja jetzt auch kein Youngster mehr, nach 25 Jahren im Unternehmen.“

Was die Mayer’sche Hofkunstanstalt in den vergangenen 166 Jahren geleistet hat, darüber gibt die über 350 Seiten starke, von Seniorchef Gabriel Mayer herausgegebene Monografie einen Überblick. 1847 von Joseph Gabriel Mayer als „Mayer’sche Kunstanstalt für kirchliche Arbeiten“ gegründet, entwickelte sich das Unternehmen in der Weimarer Republik zu dem, was es bis heute ist: einer Werkstatt für Künstler. Die Arbeiten entstünden in einem gemeinsamen Prozess, erklärte Michael Mayer: „Die Künstler kommen mit einer Idee oder Skizzen zu uns. Wir beraten sie dann, was die Technik und das Material angeht, und nähern uns so immer mehr dem letztendlichen Zustand der Arbeit an.“

Ob Julian Opie, Kiki Smith oder Georg Baselitz – sie alle haben schon mit der Mayer’schen Hofkunstanstalt zusammengearbeitet. Trotzdem, sagte Gabriel Mayer, werde die Glasmalerei immer noch oft als Kunsthandwerk oder bloßes Dekor abgetan. Dieses Vorurteil will er mit seinem Buch entkräften, in dem viele der Künstlerprojekte mit Fotos dokumentiert sind. Kunst am Bau, betonte Gabriel Mayer, sei auch heute noch wichtig, ja sogar nötig: „Wir Menschen brauchen Schönheit.“

Tag der offenen Tür:

Wer Lust hat, sich die Mayer’schen Hofkunstanstalt anzuschauen, kann an diesem Samstag zwischen 11 und 20 Uhr die Werkstätten an der Münchner Seidlstraße 25 besichtigen. Das von Gabriel Mayer herausgegebene Buch „Mayer’sche Hofkunstanstalt“ ist im Münchner Hirmer Verlag erschienen (358 Seiten; 49,90 Euro).

von Katharina Mutz

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