Kunstbau: Auroras Rosenfinger

- "Sonne statt Reagan" sang Joseph Beuys vor vielen Jahren, die Monster-Aufrüstung im Blick. "Sonne statt Regen" schiebt heute der Däne Olafur Eliasson (Jahrgang 1967) spitzbübisch nach. Denn er meint das zwar gleichfalls politisch, aber seine Installation im Kunstbau des Münchner Lenbachhauses hat auch etwas mit dem ganz normalen Klima zu tun, ist Wetter-Leuchten - wenn der Betrachter das so will: Was der Künstler im Untergrund bietet, was er ausstellt, hängt ganz wesentlich vom Besucher ab.

<P>Der kann Landschaftsmalerei ohne Land und Malerei, aber mit vielfältigen Natur-Stimmungen sehen; oder aber ein hochkomplexes Licht-Computer-Spektakel; oder eine optische Philosophie zu Licht und Raum; oder ein Thematisieren von Wahrnehmungspsychologie; oder eine Kontemplationsübung; oder eine neue Variante von Lichtkunst, so nach dem Motto vom antiken Goldmosaik zu Eliasson.<BR><BR>Das alles ist tatsächlich da. Genuss inbegriffen. Auch wenn man zunächst vor der 110 Meter langen weißen Wand erschrickt, gnadenlosen Minimalismus fürchtend. Wenn aber Homers rosenfingrige Aurora am Hallenende aufscheint, diese sanfte Morgenröte über die Fläche auf einen zugleitet, dann sind einem die chipgesteuerten Neonröhren hinter der Kunststoffmembran wurscht. </P><P>Denn die Reize, die unsere Augen an Hirn, Herz und Seele senden, sind ganz allein die Farben. Und diese lösen ein Spektrum an Stimmungen aus; kulturell geprägte, aber auch persönliche - und körperliche. Jagt ein gewaltiges Feuerrot Pink vor sich her, steigt unwillkürlich der Blutdruck. Versinkt die Halle in eisiges Mattweiß wie ein Schneefeld unterm Wolkenhimmel, fröstelt uns, obwohl die reale Temperatur gleich geblieben ist.<BR><BR>Olafur Eliasson, der auch eine mächtige Kugel für die Fünf Höfe entworfen hat, ist bekannt geworden durch die Verpflanzung von Natur-Schauspielen in Kunstzusammenhänge: Wasserschleier und Licht bannen den Regenbogen in eine Halle. Raffinierte Spiegeldächer holen das Draußen ins Zimmer. Teiche und sprießende Wasserlinsen bringen Sumpfland ins Museum. Die Strategie, etwas in einen fremden Zusammenhang zu setzen, verfolgt er auch im Kunstbau: So viel Licht gab's in einem unterirdischen Raum noch nie.</P><P>Bis 16. Juni; Tel. 089/ 233320 00. <BR>Künstlerbuch mit Islandfotos<BR>Hatje Cantz Verlag<BR>78 Euro.</P>

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