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Konrad O. Bernheimer in seiner Galerie in München.

Interview mit dem Kunsthändler

Warum Konrad O. Bernheimer München verlässt

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München -  Der Kunst- und Antiquitätenhändler Konrad O. Bernheimer gibt seine Galerie in München auf und versteigert die Familienschätze in London. In unserem Interview spricht er über Abschied und Neuanfang.

Wie kam es dazu, dass die Ära Bernheimer in München nun endet?

Ich habe entschieden, mich mit 65 allmählich zurückzuziehen, und bin der Meinung, dass man seine Angelegenheiten ordnen sollte, wenn man in ein gewisses Alter kommt. Was ich jetzt mache, müssten ansonsten meine Hinterbliebenen erledigen, wenn ich einmal tot bin. Das wollte ich meinen Kindern und meiner Familie nicht antun – deshalb organisiere ich das alles selbst: Erstens habe ich dann noch etwas davon, und zweitens bin ich der Letzte in der Familie, der alle Kunstobjekte einordnen kann.

Mit Verlaub: Was bedeutet „ein gewisses Alter“? Sie sind erst 65!

Aber schauen Sie: Auch mit 65 ist es nicht mehr dasselbe wie mit 45 oder 55. Das ständige Hin und Her zwischen den beiden Galerien in München und London (Bernheimer erwarb dort die Galerie Colnaghi im Jahr 2002; Anm. der Red.) ist ein bisschen anstrengend geworden. Das hat einfach mit dem Alter zu tun.

Sie haben sich für die Aufgabe des Geschäfts an der Brienner Straße zugunsten von Colnaghi entschieden.

Diese Entscheidung war am Ende einfach. Denn der größte Teil meines Bildergeschäftes ist ohnehin über London gelaufen. Dort ist das Zentrum des Kunstmarktes. Außerdem war für mich klar, dass ich in der 255-jährigen Geschichte von Colnaghi nicht der letzte Mr. Colnaghi sein kann. Das war ausgeschlossen. Aus rationalen Gründen hätte ich mich schon sehr viel früher ganz nach London verlagern müssen. Das konnte und wollte ich aber nicht, denn dazu war ich zu sehr Münchner. Deshalb werde ich auch meinen Hauptwohnsitz trotz der geschäftlichen Veränderung hier behalten.

Was planen Sie mit Colnaghi?

Ich will die nächsten fünf Jahre in London noch einmal Vollgas geben – mit jungen Partnern aus Madrid, die ich gefunden habe: Jorge Coll und Nicolás Cortés. Wenn ich sehe, dass es in die richtige Richtung läuft, werde ich mich ganz zurückziehen.

Schmerzt Sie der Gedanke, dass mit der Auktion nun auch ein Teil Ihrer Familiengeschichte in der Welt verstreut wird?

Nein, denn das ist das beste Denkmal, dass ich dieser Familiengeschichte errichten kann. Davon haben alle mehr, als wenn die Objekte im stillen Kämmerlein versammelt blieben. Man muss dafür natürlich Loslassen können. (Lacht.)  Aber das habe ich im Lauf des Lebens gelernt.

Dazu passt ein Satz, den Sie in unserem letzten Gespräch gesagt haben: „Jeder Verkauf ist der Triumph des Händlers über den Sammler in sich selbst.“

Genau so ist es.

Gibt es ein Kunstwerk, dessen Verkauf Sie besonders schmerzt?

Nein, denn die, bei denen das der Fall wäre, sind gar nicht in der Auktion. (Lacht.)

Bleiben wir beim Loslassen. In Ihrem Buch „Narwalzahn und Alte Meister“ schildern Sie sehr anschaulich, wie Sie sich als junger Chef von traditionellen Geschäftszweigen des Antiquitäten- und Einrichtungshauses Bernheimer trennen mussten...

Trennen wollte! Denn die Einrichtungsseite hat mich nicht interessiert.

Sie sprachen damals vom „Abschneiden alter Zöpfe“. Geschieht das jetzt bei Sotheby’s in London auch?

Aus Sicht meiner vier Töchter mit Sicherheit! Für die nächste Generation sind das alles alte Zöpfe, denn sie gestaltet ihr Leben anders. Wir haben auf Burg Marquartstein schon sehr museal gelebt mit wunderbaren Kunstwerken aus vergangenen Jahrhunderten. Aber die junge Generation lebt so nicht mehr – und will auch gar nicht mehr so leben.

Das heißt, Sie führen mit dem Auflösen der Familiensammlung in gewisser Weise Ihre Familientradition weiter...

Ja. Wenn Sie so wollen, ist das Loslassen und das Aufschlagen neuer Kapitel in jeder Generation etwas Bernheimer-Typisches.

Werden Sie nach der Auktion weiter sammeln?

Wenn einer einmal mit dem Sammel-Bazillus infiziert ist – und einer wie ich hat ihn ja schon vom Großvater mitbekommen –, dann kriegt man ihn auch nicht mehr los. Mein ganzes Leben habe ich gesammelt – und zugeschaut, wie andere sammeln.

Das Gespräch führte Michael Schleicher.

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